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26.08.2009

"Villanyi Zweigelt"

steht auf dem Etikett der Flaschen in die mein Lieblingsgetränk abgefüllt ist. An unzähligen Abenden mit mühevollen und aufopferungsvollen Tests und Selbstversuchen habe ich eben diesen Rotwein herausgefunden der mir am besten schmeckt und auch am besten bekommt.

Mein ungarisches Ferienhäuschen befindet sich in der Balatonregion. Dort besuchte mich ein Freund mit seiner Frau und seinem Sohn aus Deutschland. Mit dem Trike hatten sie die 1000 Km Anfahrt an einem Tag bewältigt. Die Tagesausflüge die wir dann in Ungarn mit dem Trike unternahmen sollten also nicht gar so lange werden. Mein Vorschlag war deshalb, einmal das Gebiet zu besuchen das solch wunderbare Tröpfchen wie eben diesen trockenen, aber trotzdem süffigen und bekömmlichen Rotwein hervorbringt.

An einem Junimorgen, an dem zu unchristlich früher Stunde  die Sonne schon erbarmungslos vom Himmel brannte machten wir uns mit zwei Trikes und fünf Personen auf den Weg. Über Kaposvar erreichten wir die ungarische "Route 66". Dieser recht wenig befahrenen Strasse folgten wir bis ins südungarische Pecs. Auf dieser Strecke ist ein Abschnitt von etwa 10 Kilometern der schnurgerade verläuft. Wegen der hügeligen Landschaft lässt sich die Strasse aber trotzdem nur immer ein paar hundert Meter weit überblicken. Kurz vor Pecs kommt dann eine meiner Lieblingsstrecken. Eine vierspurige Straße die sich etwa 5 Kilometer mit wunderbar runden Kurven den Berg hochschraubt. Da dort mit relativ wenig Verkehrsaufkommen zu rechnen ist, kann man es mit dem Trike ganz schön laufen lassen! Erik, der mit seinem Boom Family direkt hinter mir fuhr, schwört Stein und Bein dass mein altes TWA auch schon mal auf zwei Rädern um die Kurven driftete - und das Vorderrad war am Boden, das kann ich schwören.

Von Pecs aus ließen wir es gemütlich angehen und fuhren Richtung kroatischer Grenze bis zum Weinort Villanyi. Dort wollte ich das Weingut suchen, das mein Lieblingströpfchen abfüllt. - Leider kam es aber nicht mehr dazu. Kaum hatten wir das Dörfchen erreicht, lies sich mein Getriebe immer schwerer schalten und nach ein paar Schaltvorgängen konnte ich plötzlich gar keinen Gang mehr einlegen. Bei der Ursachenforschung stellte ich fest dass am Kupplungszug schon mehr als die Hälfte der Litzen gerissen war und sich der Zug dadurch schon reichlich gelängt hatte. Noch ein paar Mal die Kupplung treten und der Zug war ganz ab. Nun war guter Rat teuer. Wo sollte ich in einem südtransdanubischen Dörfchen einen Kupplungszug für ein 15 Jahre altes TWA Trike herbekommen?

Da fiel mir ein, dass "Wolf Trike", eine zu "Boom" gehörende Firma in etwa 25 Kilometer Entfernung beheimatet ist. Die Strecke dahin legte ich dann vollkommen ohne Kupplung zurück. Mit genauem Abpassen der Drehzahl beim Hochschalten und gut getimtem Zwischengas beim Zurückschalten geht auch das. Nur das Anfahren ist etwas schwieriger: Motor aus, ersten Gang einlegen und dann starten. Nach etwa einer Stunde rollte ich mit meinem waidwunden Trike auf den Hof von "Wolf".

Dort freute man sich sogar dass man mich wieder sah. Noch mehr freute sich "Joschi Aut" dass er mir mit einem Boom Ersatzteil aus der Patsche helfen konnte. "Ein Kupplungszug ist kein Problem, einen Mechaniker kann ich Dir aber nicht überlassen - wir sind im Moment furchtbar im Druck".

Wer aber nun glaubt, dass wir mit unserem Problem alleingelassen waren, der kennt die ungarische Hilfsbereitschaft nicht. Zeitweise waren bis zu fünf Mann beschäftigt dieses Teil an mein Trike anzupassen. Natürlich passten weder die Länge des Zuges noch einer der beiden Anschlüsse. Es wurde daher gesägt, gefeilt, geschweißt und gebohrt. Es dauerte kaum mehr als eine Stunde bis mein Dreirad wieder fahrbereit war. Alleine wäre ich mit diesem Problem als "technischer Blindgänger" ganz schön aufgeschmissen gewesen. Nach einem "Fekete Kave", dem kleinen, heißen und süßen ungarischen Espresso, konnten wir unsere Fahrt dann fortsetzten. Vielen Dank noch mal an Joschi Aut und seine Mannen !

Da wir nun aber sowieso von unserem eigentlichen Ziel abgekommen waren schlugen wir eine andere Richtung ein und rollten in östlicher Richtung gen Mohacs im Donautal. Diesem Tal folgten wir dann donauaufwärts. Die Strecke führte dann aber nur wenige Kilometer direkt dem Fluss entlang. Dann wurde der Abstand zu dem kilometerbreiten Fluss immer größer und die Straße führte uns dann durch eine langweilige Landschaft mit viel Industrieansiedlungen und noch mehr Verkehr. Nicht unbedingt das was man unter "Traumstraße" versteht. Deshalb verließen wir nach etwa einer Stunde das Donautal wieder und rollten auf schmalen Sträßchen durch kühle Wälder in einer hügeligen Landschaft, vorbei an bekannten Thermalbädern wie Tamasi, Igal, Gunaras und Csistapuszta in Richtung Balaton, dem ungarischen Meer.

Als wir am Abend die Trikes abstellten hatten wir außer Sonnenbrand an Armen und im Gesicht auch noch über 400 Kilometer auf dem Tacho unserer Trikes.

Soll noch einer sagen Ungarn wäre langweilig !!!