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Am 14. August 06 war es soweit. Nach mehreren Verschiebungen und Absagen hatte ich morgens um 10 vor dem Richter des Stadtgerichtes in Marcali zu erscheinen. Die Rechtsanwältin, die ich vorher mal nach einem möglichen Strafmaß gefragt hatte, deutete etwas von 200 000 Forint oder auch mehr an. Weiters hatte sie etwas von „Probleme bei erneuter Einreise „ gemurmelt. „Mit einer solchen Gefährlichen Drohung mit einer Pistole und einem Holzknüppel, da verstehen die Richter keinen Spaß.“
Daraufhin hab ich die Sache ernst genommen, mir Akteneinsicht besorgt und die Anzeige mir mal übersetzen lassen. Mit einem richtigen Strafverteidiger hab ich dann eine Aussage verfasst und schriftlich der Dolmetscherin zum Übersetzen überreicht. Mit dem Advokaten hab ich vorher ein Honorar vereinbart: Bei einer Verurteilung zahle ich an ihn 30 000 Forint, bei einem Freispruch 50 000.
Der Anzeigenerstatter, er war im metallicblauen Konfirmationsanzug mit braunen Sandalen und weißen Socken erschienen. Dazu passend trug er ein grüngelbes Einstecktuch und eine ebensolche Krawatte. So saß er also, bunt wie ein Pfingstochse neben mir vor dem Richter.
Immer wieder fiel er der Dolmetscherin während meiner Aussage ins Wort und wurde eben so oft vom Richter zum sitzen bleiben und schweigen verdonnert.
Meine Aussage hat den Richter wohl sehr beeindruckt. Was bin ich doch auch für ein braver und zurückhaltender Kerl!
Alles sah immer ganz gut nach einem Freispruch aus.
Dann hätte ich meine kompletten Unkosten erstattet bekommen. Fahrtkosten und Rechtsanwaltskosten. Bei zwei Anfahrten nach Marcali mit jeweils fast 1000 Km, da wäre ein ganz schönes Sümmchen zusammengekommen. – Das sah wohl der Richter auch so und hat dann, wohl deswegen, auf eine Verurteilung zu einer Geldstrafe in Höhe von 20 000 Forint erkannt.
In der Begründung hat er jegliche Bedrohung des Zigeunerhäuptlings aberkannt und nur gemeint, falls sich Kinder in der Nähe befunden hätten, hätten sich diese erschrecken können. Deshalb die Verurteilung, gegen die ich jedoch Widerspruch einlegen könne. Zudem würde die Prozesskosten der ungarische Staat übernehmen.
Der Pfingstochse hat daraufhin wutschnaubend den Saal verlassen. – Hoffentlich kommt da keine Retourkutsche. Unser Häuschen hab ich auf jeden Fall mal gut versichert.
Mir war es nun aber egal, ob ich die 20 000 Forint dem Advokaten gebe oder an das Gericht bezahle. Deshalb habe ich die Strafe akzeptiert und auch schon bezahlt.
Nur meine Frage an den Richter ob ich denn für weitere 20 000 dem Oberzigeuner noch mal mit der Pistole die Nasenlöcher aufbohren darf, die hat die Dolmetscherin nicht übersetzt und auch mein Anwalt hat gemeint ich solle das besser nicht fragen.
Damit ist die Sache nun aber noch nicht erledigt. Ich muss nun über eine zivilrechtliche Klage die Einbrecherinnen auf Schadensersatz verklagen. – Obwohl da ganz bestimmt nix bei rum kommt.
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