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26.08.2009

Im Sommer des Jahres 2002 wurde meine Frau durch eine Kleinanzeige in einem Wochenblatt auf eine Immobilie in Ungarn aufmerksam. Nicht unbedingt das abgebildete Foto von dem Bauernhaus riss sie so vom Hocker, sondern der dabeistehende Verkaufspreis. „So etwas können wir uns ja vielleicht auch noch leisten“ war ihr Kommentar dazu. Dadurch war mal ein Samenkorn in unsere Gedanken gelegt das sehr schnell keimte und immer mehr an Raum gewann. Im Internet wurde von an täglich gestöbert und nach Immobilien in Ungarn gesucht. Da Ungarn uns als Ferienland schon seit 1979 bekannt ist und wir dort auch einige Freunde und Bekannte haben, wurde uns der Gedanke Hausbesitzer in Ungarn zu werden immer vertrauter.

Auch die Gegend in der unser Haus einmal stehen soll war uns schnell klar: Wir wollten etwas abseits der Touristenströme um den Balaton sein, aber nur so weit weg, dass wir auch mal kurz zum Baden dahingelangen können. Also irgendwo zwischen 20 und 40 vom Südufer des Plattensees entfernt. Auch sollte die Gegend nicht gar zu gottverlassen sein und schon eine etwas größere Stadt in erreichbarer Nähe sein. Auch auf ein schönes Thermalbad in der Nähe legten wir größeren Wert. Über das Internet habe ich dann mit mehreren Maklern in der Gegend um Kaposvar und Marcali Kontakt aufgenommen und Besichtigungstermine vereinbart. Für eine Woche fuhr ich dann mit dem Wohnmobil in das Land der Magyaren und besichtigte fünf Tage lang von morgens bis abends Häuser die zum Verkauf standen. Am vorletzten Tag fand ich dann das Häuschen das mir auf Anhieb gefiel. Andras, der Makler, der zwischenzeitlich unser Freund geworden ist, versprach mir das Haus für etwa 4 Wochen zu reservieren.

Im September war dann die nächste Reise in das ungarische Komitat Somogy. Meine Frau war diesmal dabei und zeigte ihr gleich in den ersten Tagen ihres dreiwöchigen Urlaubs ein paar von den Häusern die ich bereits vorab besichtigt hatte. Siehe da, das Haus das hatte reservieren lassen, war auch sofort ihr Favorit. Von dem Tag dieser Besichtigung bis zur Übernahme des Hauses vergingen dann dank der tatkräftigen Hilfe und Unterstützung durch unseren Makler Andras nur etwa zwei Monate.

Über den Winter fuhren wir dann mehrmals mit unserem Wohnmobil und einem Anhänger die Strecke von über 900 KM zu unserem neuen Domizil in Somogyfajsz. Immer in der Angst vor der ungarischen Grenze und der dortigen Zollbehörde von der wir schon wahre Horrormärchen gehört hatten. Den Hauptteil der Möbel brachten wir deshalb an einem strategisch günstigen Tag in einem riesigen Planenanhänger über die gefürchtete Grenze. Am Heiligabend des Jahres 2002 bei Sturm, Schneeregen und Glatteis überquerten wir mit unserer wertvollen Fracht unbeheligt erst die österreichische und dann auch die ungarische Grenze. Somit hatten wir also unsere komplette Einrichtung zollfrei eingeführt und konnten nach der Renovierung und Einrichtung der Wohnräume im Sommer 2003 an die Außenarbeiten am Grundstück gehen. Unsere Freunde Vesperhorst, Erik und Erich mit seiner Frau Paula waren für einige Tage zum Arbeitseinsatz mit in unserem immer schöner werdenden Domizil.

Bei den größeren Baumaßnahmen nahmen wir auch die Unterstützung von ungarischen Handwerkern in Anspruch. Auch hier wäre wohl nicht alles möglich gewesen ohne die Unterstützung von Andras der nicht nur die „Fachleute“ kannte, sondern auch mit ihnen verhandeln konnte. Bei der Beauftragung dieser Handwerker muss man aber immer daran denken dass die Einstellung zur Arbeit in Ungarn eben eine ganz andere ist als zum Beispiel hier in Deutschland. Dafür ist aber ein ungarischer Handwerker sehr viel erfinderischer und auch oftmals risikobereiter als die meisten anderen. Diese Art mit zwei Gerüstbrettern über das Wasser eines Badebeckens zu kommen wäre in Deutschland sicherlich keinem Schreiner eingefallen. Oftmals wurden wir zu dieser Zeit beschimpft, weil wir mit den Löhnen die wir den Handwerkern und Tagelöhnern bezahlt haben, „die Preise kaputtgemacht haben“. Wenn aber ein Tagelöhner für seine Mitarbeit pro Tag die Summe von 16 Euro verlangt, so sehe ich ein, dass ich diesen noch auf 12 Euro drücken soll. „Leben und leben lassen“ lautet auch hier meine Devise.

Zoltan, kurz Zoli genannt, war einer der etwas zuverlässigeren Handwerkern die wir beschäftigten. Etwas zuverlässiger heißt aber nicht, dass wir uns darauf wirklich verlassen konnten. Auch ein Termin den wir bereits Wochen vorher ausgemacht hatten und zu dem ich extra nach Ungarn angereist bin wurde mal ganz einfach vergessen. Aber auch das konnte ich nachsehen wenn er dann mal wieder eine Arbeit vollendet hatte. Zoli ist einfach ein kleiner Künstler was das arbeiten mit Natursteinen und mit Holz betrifft.

Auf der neu gestalteten und komplett überdachten Terrasse schmeckt so ein Gläschen trockener ungarischer BB Sekt mit unseren Nachbarn Rosi und Helmut aus Nürnberg noch mal so gut.

Bis zum Sommer des Jahres 2005 verging die Zeit dann mit regelmäßigen Bauarbeiten, die aber dank der ungarischen Handwerkerlöhne immer noch bezahlbar blieben, recht schnell. Wir haben nun einen großen Carport in dem wir alle Fahrzeuge unterstellen können. Wir haben ein schönes, komplett eingerichtetes Blockhaus in dem unsere Gäste wohnen können. Es gibt einen schönen kleinen Pool den wir von der Wohnung aus über die Terrasse direkt erreichen können. Ein kleines Brunnenhäuschen aus Natursteinen und Nonnengitter wurde an das Blockhaus angebaut. Die Aufteilung der Räume im Haus haben wir verändert. Kurzum, wir haben uns in drei Jahren ein kleines, fast perfektes Paradies geschaffen, das wir gerne viel mehr nutzen würden. Leider Gottes muss aber Irene, die „beste Ehefrau von Allen“ noch immer ihre Kreuzerchen in Deutschland verdienen. So beschränken sich unsere Aufenthalte in Ungarn noch immer auf Urlaubszeiten und Kurzbesuche an verlängerten Wochenenden.

Ein so schön hergerichtetes Anwesen weckt aber Begehrlichkeiten bei Menschen die sich dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht leisten können. So kam dann was kommen musste und eigentlich schon fast erwartet wurde. Ein Anruf von Nachbar Ottmar der bereits fest und auf Dauer in Somogyfajsz lebt: Bei Euch ist heute Nacht eingebrochen worden. Viel zerschlagenes Glas, zertrümmerte Scheiben und aufgebrochene  Türen und Schränke. Viele Elektrogeräte und sämtliches Werkzeug gestohlen. Durch die Dummheit der beiden 14 jährigen Einbrecherinnen (zumindest haben diese beiden strafunmündigen Gören den Bruch gestanden) wurden sie aber recht schnell ermittelt. Als ich bei der Polizeistation die Liste der gestohlenen Gegenstände ablieferte, konnte ich einen Blick auf einen Zettel erhaschen auf dem eine Adresse stand. Diese Adresse stellte sich als Wohnanschrift einer der beiden Einbrecherinnen heraus. Diese Anschrift aus dem Nachbarort, einem reine Zigeunerdorf, prägte ich mir ein. Wieder in meinem aufgebrochenen Häuschen angekommen, packte mich ein heiliger Zorn auf dieses Einbrechergesindel. Ich fegte sämtliche Glasscherben zusammen, alles was an zertrümmertem Abfall und sonstigem zerschlagenen Inventar noch herum lag zusammen. In Müllsäcke verpackt fuhr ich das ganze Zeug zu der Adresse die ich noch immer im Kopf hatte. Vor der Zigeunerhütte stand ein mir unbekannter Mann. Als ich anfing den Abfall vor die Tür der Hütte zu schmeißen, wollte der Kerl reklamieren. Ich nahm meinen Krückstock, zeigte ihm den sagte ihm dass ich den dem nächsten der über meinen Zaun steigt anpassen würde. Damit er das auch ganz sicher verstanden hat, hielt ich ihm noch eine zerdrückte Spielzeugpistole die sich auch in einem der Abfallsäcke befand in das linke Nasenloch. Anscheinend hat er mich nicht richtig verstanden, denn er war bereits eine Stunde später bei der Polizei erstattete Anzeige gegen mich. Schon wenige Tage später erhielt ich per Einschreiben einen Brief von einem ungarischen Staatsanwalt. So wie ich mir das Schreiben übersetzen lies, enthielt es eine Einladung vom Staatsanwalt auf einen Termin etwa drei Wochen später. Leider war ich, wie mir mein Arzt bestätigte an diesem Termin aus gesundheitlichen Gründen nicht reisefähig und konnte somit diesen Staatsdiener nicht besuchen.

Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass es sich bei dem Kerl dem ich so deutlich meine Meinung sagte, um den Bürgermeister der Zigeunersiedlung handelte. Eben dieser Kerl saß bis vor wenigen Wochen noch eine achtmonatige Freiheitsstrafe ab weil er strafunmündige Kinder zum Klauen und Einbrechen geschickt hatte.

Eines musste ich aber leider Gottes machen, ich musste mein Grundstück mit Stacheldraht umzäunen wie Fort Knox. Ich habe von der ehemaligen Volksarmee einen Stacheldraht besorgt der einen wirklich nicht mehr loslässt wenn man mal richtig drinnehängt. Auch elektrisch und elektronisch musste ich aufrüsten. An allen Ecken hängen nun Halogenstrahler mit Bewegungsmeldern und Kameras überwachen nun das komplette Areal.

Unserem Spass an diesem Stückchen Erde das wir uns rein zu unserer Freude geleistet haben tut das aber keinen Abbruch. Wir freuen uns bereits schon auf die nächste Fahrt zu unserem Stückchen Freiheit auf dem wir jede Minute die wirkliche ungarische Lebensart geniessen können.

Was bei meinem bevorstehenden Date mit dem ungarischen Staatsorgan (der hoffentlich auch keine einbrechenden Zigeuner mag) herauskommt, werde ich dann gesondert berichten.

Die noch immer von Land und Leuten in Ungarn begeisterten

Irene und Peter Stief