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26.08.2009

Ein kleiner Reisebericht von einer Tour mit dem Trike durch das Land der Magyaren im Jahre 2004:

Ein paar Tage Resturlaub aus dem Vorjahr drohten zu verfallen und mussten deshalb schnellstmöglich genommen werden. Aus diesem Grunde beschlossen meine Frau und ich Mitte Mai für zweieinhalb Wochen mit dem Trike nach Ungarn zu fahren. Dort wollten wir Tagestouren in die nähere Umgebung unseres dortigen Ferienhauses machen.

Die Anfahrt nach Ungarn wurde auf dem schnellsten Weg vorgenommen. Das heißt etwas 750 Km Autobahnfahrt. Diese verlief bis auf den obligatorischen Ärger über die Maut für das österreichische Teilstück völlig problemlos. Fast habe ich mich schon damit abgefunden dem „kleinen diebischen Bergvolk am Rande der Alpen“ für jede Durchfahrt ein „Pickerl“ abkaufen zu müssen. Sobald ich aber die zum Teil katastrophalen Strassen unter den Rädern habe überkommt mich aber wieder ein heiliger Zorn auf die Menschen die mir meine Euronen abnehmen und dafür scheinbar rauschende Feste feiern und sich über die dummen „Piefkes“ freuen. Sollen die doch damit mal ihre Schlaglochstrecken  in Ordnung zu bringen. Auch wenn mein Urlaub nur zwei Wochen dauert, bin ich gezwungen für die Rückfahrt schon wieder so eine verfluchte Vignette zu kaufen. Diese gilt nämlich sinnigerweise nur 10 Tage. Sobald ich aber die nach dem EU Beitritt am 1. Mai diesen Jahres noch leichter zu passierende Grenze nach Ungarn überfahren habe ist der ganze Ärger wieder verflogen.

Unser Häuschen steht etwa 20 Km südlich des Balaton zwischen Marcali und der Komitatshauptstadt Kaposvar in einem urigen ruhigen Dörfchen ohne Touris. Die Gegend direkt um den Balaton, das ungarische Meer, ist im Sommer eine Touristenhochburg, fast vergleichbar mit dem spanischen Llorret de Mare. Zur Hauptsaison sind die Strassen dort wirklich nur im Schritttempo passierbar. Im Mai ist aber eine Umrundung des Plattensees noch problemlos möglich. Dort mit dem Trike unterwegs zu sein ist Schaulaufen pur.

Die Preise haben allerdings noch nicht ganz das deutsche oder spanische Niveau erreicht. In Zamardi direkt am See bei einem ungarischen „Italiener“ habe ich einen ganz hervorragenden Eisbecher für etwas über 2 Euro bekommen. Die Ungarn sind übrigens ein Volk das das Speiseeis über alles liebt. Hier ist dann ein „Gomboc“ noch eine richtig ordentliche Kugel Eis von der ein hiesiger Gelatieri, der seine „Kügelchen“ von seinen Kunden vergoldet bekommt, Alpträume bekommen würde – und kostet dann so ca. 60 bis 80 Forint. Das entspricht etwa 30 Eurocent.

Eine Trikerszene besteht in Ungarn quasi nicht. Allen anders lautenden Gerüchten zum Trotz war es in Ungarn bis zum 1. Mai 2004 nicht möglich ein Serientrike zum Verkehr zuzulassen. Die wenigen in Ungarn zugelassenen Trikes sind entweder meist kunstvolle Umbauten eines normalen Autos die mit dem vormaligen Fahrzeugbrief weiterhin als PKW zugelassen wurden oder die Fahrzeuge fahren mit einer „P“ Nummer die unserem Überführungskennzeichen entspricht. Unter diesen Trikes ist auch ein wunderschöner Low Rider mit einem Rahmen total aus Edelstahl. Gerüchten zu Folge soll der demnächst einen Sechszylinder Porsche Motor bekommen. Seit dem EU Beitritt ist es anscheinend möglich Trikes offiziell zum Verkehr zuzulassen. Dafür hat sich aber der Staat eine andere Schikane einfallen lassen: Das Trike gilt als Motorrad und der Fahrer braucht folglich dafür auch einen Motorradführerschein.

Die Tour

Eine Tagestour führte uns in das „Krishna Tal“ etwa 30 Km südlich von Fonyod bei Somogyvamos. Hier leben auf einer Fläche von etwa 150 Hektar mehrere hundert Hare Krishna Anhänger in einer Art Dorfgemeinschaft zusammen. Das Dorf hat nicht nur seinen eigenen Bio Bäcker sondern auch alle anderen Versorgungseinrichtungen die eine so große Gemeinschaft braucht. Mehr als 30 000 Menschen besuchen die an Indien erinnernde Anlage jährlich. Nicht nur Tempel und andere Sakralbauten sind zu bewundern. Auch durchaus weltliche Gebäude wie die dorfeigene Schule, die Gästehäuser die zum übernachten einladen, Künstlerstudios, Töpferwerkstätten oder auch die Tierställe sind in ihrer Art sehenswert. Auch ein hinter Zierteichen versteckter Campingplatz lädt zum verweilen ein. Obwohl diese ganz einfache und anspruchslose Art zu leben nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht, werde ich diesen indischen Teil Ungarns wieder einmal besuchen.

Weitaus anspruchsvollere Genüsse konnten wir am Abend in einem ganz besonderen Gasthof genießen. Nach einer 3 Kilometer langen Fahrt über sandige, staubige und Schlaglochübersäte Naturwaldwege besuchten wir das „Haromhazi“, was in Deutsch so viel wie „drei Häuser“ bedeutet. Bei diesem Waldgasthaus handelt es sich um einen wirklichen Geheimtipp. Diese Adresse werde ich auch wirklich nur meinen besten Freunden verraten. Ein zufälliges Finden dieses Jägerhofes halte ich für ausgeschlossen.

Die Wildgerichte dort sind nicht nur von exzellenter Qualität und Frische sondern auch noch von einem armen Rentner wie mir zu bezahlen. Die teuersten Wildgerichte kosten dort incl. der Beilagen keine 2000 Forint, das entspricht etwa 8 Euro. Der dazugehörige Hauswein schlug pro halber Liter mit 600 Ft. zu Buche und dabei handelte es sich nicht um einen so genannten „Vorderpfälzer Händelstifter“ sondern es war ein Soproni Kekfrankos von hervorragender Qualität. Ein halber Liter Bier kostet übrigens gerade mal 300 Ft.

Sollte aber die Rückfahrt wie bei mir mit dem Trike vonstatten gehen, so empfiehlt es sich mit alkoholischen Getränken etwas sparsam umzugehen. In Ungarn gilt die „Null Promille Grenze“.

Auch die Helmpflicht für Fahrer und Beifahrer von Motorrädern und ähnlichen Fahrzeugen ist in Ungarn ein nationales Gesetz dessen Einhaltung auch von Touristen verlangt wird. Ich habe in den vergangenen Jahren schon drei Kontrollen wegen Nichttragen eines „Buko“ überstehen müssen. Beim ersten Mal lies sich der Dorfsheriff von mir überzeugen dass ich einen PKW, der eben ein Rad verloren hat, fahre und deshalb keinen Helm tragen muss. Die nächsten beiden Kontrollen waren aber schon sehr heikel. Einmal ließ sich der heißblütige „Rendörseg“ von meiner Bierruhe provozieren und wurde handgreiflich. Als er sich dann bewusst wurde was er gerade getan hat war er froh mich schnellstmöglich auch ohne „Bakschisch“ wieder los zu sein. Die dritte Kontrolle war dann wirklich sehr heftig. Wir waren mit drei Trikes unterwegs wovon zwei Fahrer keinen Helm trugen. Wir beide wurden dann angehalten und ausgiebig auf Ungarisch belehrt dass wir wegen fehlendem Helm eine Strafe von 20 000 Forint pro Person zu zahlen hätten. Als wir uns aber als vollkommen unschuldig darstellten und die Diskussion dann bereits eine Stunde dauerte wurde per Funk ein weiteres Polizeiauto mit zwei weiteren Polizisten angefordert. Von den Neuankömmlingen fungierte einer als Dolmetscher und das Hin und Her ging von vorne los. Als ich nach fast zwei Stunden die Sache so satt hatte dass ich meine horrende Strafe bezahlen wollte, warf ich dem einen Büttel das Geld auf die Motorhaube seines Streifenwagens. Dies sah er aber als persönliche Beleidigung an und wollte mich dafür sofort körperlich maßregeln. Seine drei Kollegen hatten alle Hände voll zu tun ihn davon abzuhalten und gewaltsam in sein Auto zu verfrachten. Damit die Sache nicht noch weiter eskaliert wurden wir dann mündlich ermahnt und sollten unsere Fahrt schnellstmöglich vorsetzen. Ganz schnell hatte ich mein Geld wieder in der Tasche und saß auf meinem Trike. Dort habe ich mir vorgenommen in Ungarn nur noch mit Helm zu fahren und habe mich bis heute daran gehalten. – Hat mir bisher auch gar nicht geschadet.

Auf unseren Touren begegneten wir immer wieder Pferdefuhrwerken und Eselskarren. Diese Fahrzeuge gehören in Ungarn noch zum ganz normalen Straßenbild. Daran sollte man aber auch bei einbrechender Dunkelheit denken. Diese Tiere haben nämlich auch dort keinen eingebauten Dynamo und die Karren sind deshalb bei Nacht vollkommen unbeleuchtet. Angeblich sind ja Pferde sehr saubere Tiere. Wo sie ihre Äpfelchen dann fallen lassen interessiert sie aber überhaupt nicht. Wenn man nun mal so eine Hinterlassenschaft mit dem Vorderrad des Trikes trifft, so gibt das grüne Sommersprossen nicht nur auf Hemd und Hose. Je nach gefahrener Geschwindigkeit fliegen die feuchten Anteile auch noch höher. Nicht nur durch die Optik sondern auch durch den verströmten Geruch hinterlässt man dann in der nächsten Csarda nicht gerade den besten Eindruck.

Jede Tour mit dem Trike ist im Frühsommer auch gleichzeitig eine Erlebnisreise für die Nase. Die kilometerlangen Fahrten durch die in herrlicher weißer Blüte stehenden Akazienwälder sind auch gleichzeitig Fahrten durch betörend süße Duftwolken. Oftmals wird dieser wunderbare Wohlgeruch aber abrupt unterbrochen von dem beißenden Gestank verbrannten Zweitaktgemisches. Automobiles östliches Urgestein der Marken Wartburg, Barkas und Trabant ist auf ungarischen Strassen noch ebenso oft anzutreffen wie moderne westliche Autos. Vielen Ungarn bleibt aber gar nichts anderes übrig als diese oft kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Vehikel am Leben zu erhalten. Das durchschnittliche Monatseinkommen z. B. eines Angestellten im öffentlichen Dienst beträgt etwa       80 000 Forint (320 Euro). Ein Tagelöhner am Bau erhält etwa 2500 Ft. am Tag. Das reicht trotz allen Sparens dann nicht für ein modernes Gefährt. Für uns „reiche Deutsche“ hat das dann den Vorteil dass wir viele Dienstleistungen zu konkurrenzlos günstigen Preisen bekommen können. Wenn ich zum  Fodraz (Friseur) gehe, so zahle ich für einen Trockenhaarschnitt max. 2 Euro. Auch Zahnbehandlungen und Schönheitsoperationen sollen äußerst günstig zu bekommen sein. Hier habe ich aber keine Erfahrungen vorzuweisen. Meine Zähne sind zum Glück noch gesund und an meiner Schönheit gibt’s nix auszusetzen!!!

Trotz dieser sprichwörtlichen Armut sind die Ungarn ein überaus gastfreundliches Volk. Oftmals endete ein Fotostop auf der Tour mit einer Einladung zu einem Gläschen hausgemachten "Bor" im eigenen Weinkeller. Kostverächter sind diese Menschen ganz bestimmt nicht und vom Wein verstehen sie einiges.

Mein nächster Besuch in Ungarn wird zum dortigen Triketreffen vom 6. bis 8. August sein – auch wenn ich dafür das Treffen beim Bim Bam Klingele verpassen muss.

Peter ( Bergabwienix )