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Ein kleiner Reisebericht von einer Tour mit dem Trike durch das Land der Magyaren im Jahre 2004:
Ein paar Tage Resturlaub aus dem Vorjahr drohten zu verfallen und mussten deshalb schnellstmöglich genommen werden. Aus diesem Grunde beschlossen meine Frau und ich Mitte Mai für zweieinhalb Wochen mit dem Trike nach Ungarn zu fahren. Dort wollten wir Tagestouren in die nähere Umgebung unseres dortigen Ferienhauses machen.
Die Anfahrt nach Ungarn wurde auf dem schnellsten Weg vorgenommen. Das heißt etwas 750 Km Autobahnfahrt. Diese verlief bis auf den obligatorischen Ärger über die Maut für das österreichische Teilstück völlig problemlos. Fast habe ich mich schon damit abgefunden dem „kleinen diebischen Bergvolk am Rande der Alpen“ für jede Durchfahrt ein „Pickerl“ abkaufen zu müssen. Sobald ich aber die zum Teil katastrophalen Strassen unter den Rädern habe überkommt mich aber wieder ein heiliger Zorn auf die Menschen die mir meine Euronen abnehmen und dafür scheinbar rauschende Feste feiern und sich über die dummen „Piefkes“ freuen. Sollen die doch damit mal ihre Schlaglochstrecken in Ordnung zu bringen. Auch wenn mein Urlaub nur zwei Wochen dauert, bin ich gezwungen für die Rückfahrt schon wieder so eine verfluchte Vignette zu kaufen. Diese gilt nämlich sinnigerweise nur 10 Tage. Sobald ich aber die nach dem EU Beitritt am 1. Mai diesen Jahres noch leichter zu passierende Grenze nach Ungarn überfahren habe ist der ganze Ärger wieder verflogen.
Unser Häuschen steht etwa 20 Km südlich des Balaton zwischen Marcali und der Komitatshauptstadt Kaposvar in einem urigen ruhigen Dörfchen ohne Touris. Die Gegend direkt um den Balaton, das ungarische Meer, ist im Sommer eine Touristenhochburg, fast vergleichbar mit dem spanischen Llorret de Mare. Zur Hauptsaison sind die Strassen dort wirklich nur im Schritttempo passierbar. Im Mai ist aber eine Umrundung des Plattensees noch problemlos möglich. Dort mit dem Trike unterwegs zu sein ist Schaulaufen pur.
Die Preise haben allerdings noch nicht ganz das deutsche oder spanische Niveau erreicht. In Zamardi direkt am See bei einem ungarischen „Italiener“ habe ich einen ganz hervorragenden Eisbecher für etwas über 2 Euro bekommen. Die Ungarn sind übrigens ein Volk das das Speiseeis über alles liebt. Hier ist dann ein „Gomboc“ noch eine richtig ordentliche Kugel Eis von der ein hiesiger Gelatieri, der seine „Kügelchen“ von seinen Kunden vergoldet bekommt, Alpträume bekommen würde – und kostet dann so ca. 60 bis 80 Forint. Das entspricht etwa 30 Eurocent.
Eine Trikerszene besteht in Ungarn quasi nicht. Allen anders lautenden Gerüchten zum Trotz war es in Ungarn bis zum 1. Mai 2004 nicht möglich ein Serientrike zum Verkehr zuzulassen. Die wenigen in Ungarn zugelassenen Trikes sind entweder meist kunstvolle Umbauten eines normalen Autos die mit dem vormaligen Fahrzeugbrief weiterhin als PKW zugelassen wurden oder die Fahrzeuge fahren mit einer „P“ Nummer die unserem Überführungskennzeichen entspricht. Unter diesen Trikes ist auch ein wunderschöner Low Rider mit einem Rahmen total aus Edelstahl. Gerüchten zu Folge soll der demnächst einen Sechszylinder Porsche Motor bekommen. Seit dem EU Beitritt ist es anscheinend möglich Trikes offiziell zum Verkehr zuzulassen. Dafür hat sich aber der Staat eine andere Schikane einfallen lassen: Das Trike gilt als Motorrad und der Fahrer braucht folglich dafür auch einen Motorradführerschein.
Die Tour
Eine Tagestour führte uns in das „Krishna Tal“ etwa 30 Km südlich von Fonyod bei Somogyvamos. Hier leben auf einer Fläche von etwa 150 Hektar mehrere hundert Hare Krishna Anhänger in einer Art Dorfgemeinschaft zusammen. Das Dorf hat nicht nur seinen eigenen Bio Bäcker sondern auch alle anderen Versorgungseinrichtungen die eine so große Gemeinschaft braucht. Mehr als 30 000 Menschen besuchen die an Indien erinnernde Anlage jährlich. Nicht nur Tempel und andere Sakralbauten sind zu bewundern. Auch durchaus weltliche Gebäude wie die dorfeigene Schule, die Gästehäuser die zum übernachten einladen, Künstlerstudios, Töpferwerkstätten oder auch die Tierställe sind in ihrer Art sehenswert. Auch ein hinter Zierteichen versteckter Campingplatz lädt zum verweilen ein. Obwohl diese ganz einfache und anspruchslose Art zu leben nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht, werde ich diesen indischen Teil Ungarns wieder einmal besuchen.
Weitaus anspruchsvollere Genüsse konnten wir am Abend in einem ganz besonderen Gasthof genießen. Nach einer 3 Kilometer langen Fahrt über sandige, staubige und Schlaglochübersäte Naturwaldwege besuchten wir das „Haromhazi“, was in Deutsch so viel wie „drei Häuser“ bedeutet. Bei diesem Waldgasthaus handelt es sich um einen wirklichen Geheimtipp. Diese Adresse werde ich auch wirklich nur meinen besten Freunden verraten. Ein zufälliges Finden dieses Jägerhofes halte ich für ausgeschlossen.
Die Wildgerichte dort sind nicht nur von exzellenter Qualität und Frische sondern auch noch von einem armen Rentner wie mir zu bezahlen. Die teuersten Wildgerichte kosten dort incl. der Beilagen keine 2000 Forint, das entspricht etwa 8 Euro. Der dazugehörige Hauswein schlug pro halber Liter mit 600 Ft. zu Buche und dabei handelte es sich nicht um einen so genannten „Vorderpfälzer Händelstifter“ sondern es war ein Soproni Kekfrankos von hervorragender Qualität. Ein halber Liter Bier kostet übrigens gerade mal 300 Ft.
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