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26.08.2009

Boa ey – voll fett Mann

 

MotoKA, die Motorradausstellung in Karlsruhe.

Weil ich mich dort etwas ärgerte, dass sich nicht einer unserer Trikehersteller unter den Ausstellern befand, guckte ich mich halt bei den Mopeds ein wenig um.

Zweiräder für jeden Geschmack und fast jeden Geldbeutel.

Ein riesiges Trumm Moped fiel mir ganz besonders auf. So einen gigantischen Klotz Eisen auf zwei Rädern hatte ich noch nie gesehen. Da ich ja auch nicht gerade als das zierliches Rehlein durchgehe, dachte ich mir, dass wir beide doch recht gut zusammen passen müssten.

So erkundigte ich mich halt mal bei dem Aussteller nach Einzelheiten über diese Maschine. Die Auskunft die ich bekam, warf mich dann aber doch fast vom Hocker:

2,3 Ltr. Hubraum !!! Das muss man sich erst mal reintun !

Das ganze verteilt auf drei Zylinder ! Die Dinger haben ja fast Maßkruggröße. Das Gerät kommt aber nicht aus Bayern, sondern von Triumph aus England.

 

Motor: Flüssigkeitsgekühlter, längs eingebauter Reihen-Dreizylindermotor, 12 Ventile
Hubraum: 2294 cm³
Leistung: 104 KW / 142 PS bei 5.750 U/min
Maximales Drehmoment: 200 Nm bei 2.500 U/min
Bohrung/Hub: 101.6 x 94.3mm
Verdichtung: 8.7:1
Rahmen: Doppelschleifenrahmen aus Stahl
Länge/Breite/Höhe: 2480/880/1150 mm
Sitzhöhe: 740mm
Radstand: 1690mm
Trockengewicht: 320kg
Tankvolumen: 25 Liter
Farben: Jet Black, Cardinal Red
Preis: 17.990.- Euro

 

Ein paar Daten hab ich so noch im Kopf:

Die Beschleunigung von 0 bis 100 Km/h ist irgendwo bei knapp über 3 Sek. Von 0 bis 200 Km/h rennt die Fuhre in etwas über 12 Sek. Das sind nicht die Daten von Schumis Dienstferrari – nein, so schnell rennt die Rocket III von Triumph. Und dabei thront der Raketenbändiger aufrecht auf dem Geschoss wie der Herr Graf auf seinem Gaul.

 

Als ich mich so mit dem Verkaufsleiter von Moto plus in Karlsruhe, dem örtlichen Triumph Händler, unterhalten habe, hat er mir doch tatsächlich den 320 Kg Koloss für einen Nachmittag zum Probe fahren angeboten.

Das lies ich mir nicht zweimal sagen. Einer der ersten trockenen Frühlingstage war der besagte Tag. Die „Rakete“ stand startbereit beim Händler auf dem Hof.

Erste Sitzprobe: sogar für Breitärsche ist der tiefe Sitz bequem genug.

Die Fußrasten sind allerdings gewöhnungsbedürftig weit vorne. Ob das mit meiner Schuhgröße 47 mal keine Probleme beim Schalten gibt?

 

Dann der große Moment: Schlüssel drehen, Handbremsgriff ziehen und Starterknopf drücken und dann …………….. – leichte Enttäuschung. Der zum Dickschiff passende Sound fällt ein wenig kümmerlich aus. Sicher ein Verdienst unserer Herren in den grauen Kutten!

Beim kräftigeren Gasgeben kommt es dann doch noch auf, das Kribbeln in der Bauchdecke. Da passt dann der Sound schon wieder viel besser.

Beim nachdrücklichen Tritt auf den Schalthebel rastet der erste Gang mit einem vernehmlichen „Klonk“ ein. Dann erst mal ganz vorsichtig das rechte Handgelenk bewegen und bei „Moto plus“ in Karlsruhe vom Hof rollen. Dem ängstlich hinterher blickenden Verkäufer ja keine Unsicherheit zeigen. Wenn der wüsste, dass ich seit mehr als 5 Jahren auf keinem Moped mehr gesessen habe ….

Wenn das Dickschiff erst mal rollt, lässt sich ja recht gut damit umgehen. Die bald eine halbe Tonne wiegend Fuhre (fahrfertige Triumph rund 360 Kg plus gut ausgewachsener Fahrer ….) zeigt ihr Gewicht wirklich nur beim rangieren. Wenn man sich mal ein bisschen mit dem Muscle Bike vertraut gemacht hat, lässt es sich sogar ausgesprochen gut bewegen. Ein Problem hatte ich auf den ersten Kilometern nur mit dem äußerst sensiblen Gasgriff. Von Stand – bis Vollgas ist gerade mal eine Viertel Griffumdrehung.

Man stelle sich mal vor, z. B. beim links abbiegen, im ersten Gang anfahren, tiefe Schräglage und dann das Zittern im rechten Handgelenk bekommen. Ein Millimeter den Griff zu weit aufziehen, schmeißt so einen aufs Dreirad fixierten Menschen wie mich doch glatt auf die Gegenfahrbahn.

Nach den ersten hundert Kilometern wurde ich dann doch schon etwas mutiger. Ein volles Aufziehen des Gasgriffes im ersten Gang hab ich mich zwar nicht getraut, aber bei einer solchen Aktion im zweiten Gang malte das 240er Hinterrad einen schwarzen Strich auf die Straße. Und dabei ist der Motor in den unteren Gängen im Drehmoment etwas gedrosselt! Die echten 200 Nm liegen erst in den Schaltstufen 4 und 5 an.

 

Ein Ortsausgang, breite Straße, mind. 800 mtr. gerade Strecke. Der Tacho zeigt mir die vorgeschriebenen 50 Km/h an. Der Tourenzähler steht bei knapp 1000 U/pM im fünften Gang. Der Ortschild huscht vorbei und ich mache eine kleine Bewegung mit dem rechten Handgelenk. Vollgas. Einen Drehzahlkeller gibt es bei dieser Maschine nicht. Das Ding drängt im fünften Gang vorwärts, deutlich stärker als mein Trike im Ersten. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich den Zeiger vom Tacho auf 200 stehen und der Druck auf Oberkörper und Kopf war durch die aufrechte Sitzposition dermaßen hoch, dass ich gerne wieder das Tempo rausnahm.

Es macht also absolut keinen Spaß mit der Rocket ein solches Tempo anzuschlagen.

………. Ist aber mehr als geil wenn man weiß, dass man könnte ….

Als ich mir ein wenig mehr zutraute mit dem überraschend handlichen Dickschiff, stimmte dann auch der Sound. Der Motor braucht auch zum sehr zügig vorwärts kommen keine hohen Drehzahlen, der Sound wird aber mit jeder Kurbelwellenumdrehung mehr immer besser. Das Gerät zieht ab wie Schmitts Katze, und das in jedem Drehzahlbereich.

 

Die Rocket III lässt sich mit einem Trike wirklich nur schwer vergleichen. Nur eine Gemeinsamkeit gibt es zwischen der Rocket III und einem Trike: man fällt auf den Straßen fast genauso auf und wird sehr oft angesprochen. Fast gebetmühlenartig sind es immer wieder dieselben Worte die man antworten muss: 2,3 Ltr. 140 PS - …... ja, Sie haben schon richtig verstanden 2300 ccm.

Das sind Worte die man an fast jeder Ampel braucht.

 

 

Ich hab schon einige Fahrzeuge getestet und ich glaube, ich hab darüber auch recht sachlich und mit den richtigen Worten und Formulierungen berichten können. Zum Beschreiben meiner Eindrücke mit diesem Macho Bike der Superlative fehlen mir aber die richtigen Worte. Ich kann Euch nur empfehlen, wer mal damit liebäugelt mit einem Rad weniger on the road zu gehen, der soll mal eine Runde mit dem Hubraumstärksten Serienmotorrad der Welt zu drehen. – ja ich weiss, es gibt auch noch die Boss Hoss, aber mal ehrlich, ist das auch wirklich noch ein Motorrad? Und wer kann die schon noch bezahlen?