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Das Starten des Triebwerks erfordert eine einstudierte Prozedur: Zündschlüssel in das Zündschloss, Wählhebel auf N stellen, an der Fernbedienung der Wegfahrsperre die Entriegelungstaste drücken. Die Blinker leuchten kurz auf. Das Schlüsselsymbol im Display erlischt. Nun die Bremse treten und Schlüssel drehen. Der Motor im Heck startet auf den ersten Umdrehungen.
Da wir uns am Abend vorher auch mit den technischen Details des Fahrzeuges näher befasst hatten wurden wir an diesem Tag mutiger und suchten auch den Grenzbereich des V2 zu ertasten. Der Weg führte uns um den Kaiserstuhl wobei wir durch Orte kamen deren Namen den Weinfreunden unter uns, auf der Zunge zergehen. Oberrottweil, Ihringen, Bickensohl, Achkarren, Vogtsburg um nur ein paar Namen zu nennen. Bei der Umrundung des Weingebietes hatte ich das gute Gefühl auf diesem Fahrzeug nicht zu sehr dem Fahrtwind ausgesetzt zu sein. Ob das an dem extrem breiten Vorderrad und der wuchtigen Gabel mit den kräftigen Gabelbrücken liegt?
Nun ging die Fahrt in den wolkenverhangenen Schwarzwald. Auf einem leeren Parkplatz dort brachte ich mit Gewalt tatsächlich das ESP zum Eingreifen. Auf der Strasse habe dies allerdings nicht erlebt. Ich führe das auch auf den extrem niedrigen Schwerpunkt und die zwischen Vorder – und Hinterachse nahezu ausgeglichene Gewichtsverteilung zurück. Nur einmal ist es mir gelungen das breite 200er Vorderrad provoziert in einer nassen und rutschigen Serpentine zum Driften zu bringen. Dies wurde aber sofort wieder durch irgendein elektronisches Helferlein wieder in die richtige Spur gelenkt.
Die an diesem Wochentag wenig befahrenen Straßen des Schwarzwald bewältigten wir dann fast nur in dem wahlweise möglichen Tiptronicmodus. Hier werden die Wechsel der sechs Gänge mit zwei Schaltwippen am Lenker betätigt. Auch dabei wird aber ein Überdrehen des Motors oder ein versehentliches Verschalten durch die Elektronik verhindert. Mir persönlich machte die in diesem Fahrmodus mögliche sehr sportliche Fahrweise unheimlich viel Spaß. Mit ein wenig Übung lässt sich eine solche Fahrweise aber auch im Automaticmodus realisieren. Doch ich hatte immer das Gefühl die antriebslosen Pausen bei den Gangwechseln wären etwas lang. Tatsächlich werden aber die Zeiten beim Gangwechsel mit einem herkömmlichen Getriebe sicherlich nicht kürzer ausfallen. Auch das Motorengeräusch des kleinen Dreizylinders, das in der Vergangenheit oft als „Nähmaschinenhaft“ bezeichnet wurde, überzeugt nun auch eingefleischte Soundfetischisten. Der mit sechs Endrohren bestückte Sportauspuff gibt ein so sonores Grollen von sich dass jeder dahinter einen ganz anderen Hubraum vermutet. Die Papiermäßigen 82 PS zeigten sich auch in der Praxis als gut ausreichend. Ich hatte nie das Gefühl untermotorisiert zu sein. Auf dieser Tour, die ich meinem alten „Käfergetriebenen“ Trike so nie zugemutet hätte, kamen wir wirklich in Extrembereiche was Witterung, Temperatur und Straßenbeschaffenheit anbelangt. Trotzdem hatte keiner von uns beiden je das Gefühl das Fahrzeug zu überfordern oder überhaupt an seine Grenzen zu geraten. Der Motor brachte auf einem sehr breiten Drehzahlband eine annehmbare Leistung. Zwischen 2500 und 6000 UpM. lag immer ausreichend Drehmoment an, so dass ein Hochdrehen des Motors auf über 4500 UpM. eigentlich gar nicht nötig war. Ein Verschlucken oder Husten wie wir das vom alten Boxermotor kennen gab es hier nicht. Jeder Dreh am Gasgriff wurde sofort in Vortrieb umgesetzt. Allerdings war der Weg des Gasdrehgriffes etwas lang so dass ich immer wieder „nachfassen“ musste. Dadurch war dann der Daumen nicht immer in der zum Schalten idealen Position.
Auf dem Weg zum Feldberg wurde das Wetter mit jedem gewonnenen Höhenmeter schlechter. Als wir den in Nebel gehüllten Gipfelparkplatz erreicht hatten lag dort stellenweise sogar auf der Strasse noch Schnee.
Auf der Rückfahrt durch das Münstertal mit Gefällstrecken von zum Teil mehr als 20 % Gefälle wäre jede herkömmliche Käferbremsanlage an ihre Grenzen gestoßen. - Was dies bedeutet kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Um die Bremskraft des Motors mit zu nutzen nimmt wählt man den Schaltmodus und fährt in einem niedrigen Gang. Allerdings lässt sich auch mit den besten Bremsen die Physik nicht überlisten. Bei Nässe setzt auch hier die volle Bremsleistung mit etwas Verzögerung ein. Das liegt an dem Wasserfilm der sich zwischen Bremsscheibe und Belag aufbaut und erst verdampfen muss.
In den recht schnell angegangenen Serpentinen dieses Abstiegs wäre ich für etwas mehr Seitenhalt auf dem Fahrersitz dankbar gewesen. Die Sitzposition und die Lehnenneigung des Fahrersitzes lässt ansonsten ein sehr entspanntes Fahren zu. Das Erklimmen des Beifahrersitzes wird durch die Armlehnen aus Edelstahl und die Lehne des Fahrersitzes erschwert. Hat man aber einmal diese Hürde genommen ist dieses Gestühl sehr bequem und sicher. Trotzdem würde ich mir für diesen Sitz einen Beckengurt wünschen. Wenn der Beifahrer mal durch eine Notbremsung aus seinen Träumen gerissen wird kann auch der hohe Höcker der Fahrersitzlehne zu niedrig sein. Der elektronische Bremsassistent verhilft der Bremse in einem solchen Fall zu einer so brachialen Verzögerung dass der Passagier über die Rückhaltekräfte eines Gurtes sicher sehr dankbar wäre. Auch dieser Wunsch nach Haltegurten kann von der Zubehörliste erfüllt werden.
Nach einer Fahrstrecke von 309 Km fuhren wir eine Tankstelle an wo wir den Spritbehälter wieder bis zum Rand auffüllten. 21,77 Ltr. bleifreies Super Plus war der Verbrauch bei fast ununterbrochener Vollastfahrt. Das macht einen Durchschnittsverbrauch von 7,04 Ltr. auf 100 Km. Mit meinem eigenen Trike, dessen Motor auch nicht mehr Leistung hat wäre ich bei dieser Fahrweise nicht unter 13 – 14 Ltr. weggekommen. Die Tankuhr zeigte aber auch einige Kilometer nach dem Tanken noch immer den ursprünglichen Tankinhalt an.
Da ein serienmäßiger Tageskilometerzähler ebenso wie eine Zeituhr fehlt mussten wir beim Tanken die zurückgelegte Tagesstrecke errechnen. Das auch Mäusekino genannte Display auf der Tankattrappe zeigt an den Fahrmodus, den Tankinhalt, die Motortemperatur, die eingelegte Fahrstufe, im Tiptronicmodus eine Schaltempfehlung und die Fahrstrecke.
Die Kontrolleuchte, die die Bereitschaft des ESP anzeigt nervte durch immer wieder unvermitteltes Aufleuchten.
Die Gabel lässt sich auf wirklich jede Anforderung einstellen. Das mechanische Teil, die Spiralfeder lässt sich in der Vorspannung verstellen. Das Hydraulische, also ölgefüllte Teil, lässt sich dann in vielen Stufen in Zug und Druck ebenso verstellen wie das pneumatische, also mit Druckluft betätigte Teil. Es lässt sich von sportlich straff bis komfortabel weich fast stufenlos jede Einstellung wählen. Wir hatten auf unserer Tour eine mittlere Einstellung gewählt und kamen eigentlich in jeder Fahrsituation zurecht.
Das Fahren mit dem V2 scheint eigentlich immer recht unspektakulär, trotzdem oder aber gerade deshalb, ist man sehr sicher und, so man will, auch sehr schnell unterwegs.
Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir für dieses Fahrzeug eine Bremsbetätigung mit der rechten Hand wie beim Motorrad wünschen. Dies würde sicher zu einem noch entspannteren Fahren beitragen.Da
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