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26.08.2009

Eine außergewöhnliche Hochzeit in Ungarn

Andi und Misi, ein junges Pärchen aus dem ungarischen Donautal wollten den Bund fürs Leben schließen. Etwas ganz Einmaliges sollte diese Hochzeit sein. Das stand für beide von vornherein fest. Die zwei Jungverliebten waren beide begeisterte Motorradfahrer und schon seit Jahren Stammgäste beim ungarischen Triker und Bikertreffen. Viele Freundschaften und Bekanntschaften waren durch dieses Hobby länderübergreifend entstanden. Was lag also näher als all diese Gleichgesinnten zu ihrem schönsten Tag einzuladen.

"Um die Mittagszeit am Donauufer in Dunaujvaros". So lautete die sehr vage formulierte Einladung des Brautpaares. Mit sehr viel Skepsis machte ich mich deshalb auf den weiten Weg an die Donau. Die Skepsis war aber ganz und gar unbegründet. Als ich den Treffpunkt am Donauufer gefunden hatte, waren dort bereits etwa ein Dutzend Trikes und deutlich mehr als 200 Motorräder versammelt.

Der Bräutigam selbst übernahm mit seiner Maschine die Führung über die mehrere Hundert Meter lange Kolonne. Der erste Weg führte uns dann nach Dunaföldvar zum Haus der Brauteltern. Dort wurde die aus etwa 300 Personen bestehende Heerschar bereits von der gesamten versammelten Verwandtschaft des Brautpaares und vor allen Dingen von dem Brautwerber und Zeremonienmeister erwartet.

Der Brautwerber wurde nun vom Bräutigam beauftragt die Braut von Ihrer Familie abzuholen. Dafür klopfte dieser mit seinem langen Holzstab an die Haustüre und wurde auch eingelassen. Nach anscheinend zähen Verhandlungen erklärte sich der Brautvater bereit seine Tochter an den angehenden Schwiegersohn herauszugeben. Als der Brautwerber mit dieser Nachricht wieder vor die wartende Menge trat, warteten alle gespannt auf das Erscheinen der hübschen Braut. Lang und länger wurde uns das Warten in der Hitze vor dem Elternhaus. Der Bräutigam zerfloss fast in seinem schwarzen Anzug und der engen Fliege. Da half alles nichts, Misi musste selbst die Initiativer ergreifen um seinem Schwiegervater in spe die Tochter abzuhandeln.

Mit Hilfe seiner besten Freunde stimmte er ein mehr als schräges Lied an um den Brautvater doch zu überzeugen dass er der einzig Richtige für seine Tochter sei. Diese Strategie war tatsächlich erfolgreich. Schon nach wenigen Minuten trat der Vater der Braut mit seiner Tochter vor das Haus um seine Tochter Andi an den Misi, den Bräutigam herauszugeben. - Vielleicht war ihm aber auch nur der laute und falsche Gesang des Chores zu lästig.

Aufgabe des Brautwerbers war es nun für Braut und Bräutigam zu sprechen. Er entschuldigte sich bei der Familie von beiden für alle Missetaten der Jugend und allen Kummer und Sorgen den die Beiden bisher ihren Angehörigen bereitet hatten. Nun mussten sich die zwei aus Ihren bisherigen Familien verabschieden um von nun an eine eigene Familie zu gründen.

Nachdem dieser Akt zur Zufriedenheit aller abgeschlossen war, machte sich der motorisierte Lindwurm, nun um einen Reisebus mit den Verwandten erweitert, auf den Weg nach Mezöfalva.

Laci, der Chopperfahrende Priester aus Mezöfalva ist allen Trikern und Bikern in Ungarn bekannt. Er hatte nun die Aufgabe den Bund fürs Leben der beiden vor Gott zu segnen. Ein Akt der von vielen in schwarzes Leder gekleideten Freunden mitverfolgt wurde. Nach dieser Trauung schritten die beiden Brautleute durch ein Spalier von Motorrädern vor der Kirche.

Nun erst ging es zum Standesamt um diesen Bund auch von einer bürokratischen Institution besiegeln zu lassen.

Nachdem auch diese Hürde erfolgreich genommen war stand einer riesigen Feier nichts mehr im Wege. Die "Halasz Csarda" in Dunaujvaros war der würdige Ort für dieses außergewöhnliche Fest. Ich glaube noch niemals vorher standen so viele in der Sonne blitzende Zwei - und Dreiräder vor diesem Lokal. Noch niemals zuvor waren so viele Lederkuttenträger zeitgleich als Gäste in diesem Lokal. Der Brautwerber und Zeremonienmeister hatte aber die Situation bestens im Griff. Mit seinem langen Holzstock an dem hunderte von bunten Stoffbändern hingen war er allgegenwärtig. Für jedes von ihm bisher in die Ehe geführte Paar war an dem Holzstab ein Stoffband mit den Namen des Brautpaares und dem Datum der Hochzeit befestigt.

Nichts war den Brautleuten zu teuer um ihre Verwandten und ihre Freunde, die sogar bis aus Deutschland angereist waren, mit ungarischen Spezialitäten zu verwöhnen. Ungarische Hochzeitsuppe, Pörkelt vom ungarischen Graurind, gebackenes vom Fisch und Schwein, frisches Obst und Gemüse, fekete Kave, Sör, Bor vom Feinsten, der beste Palinka, Süßspeisen und Cremetorten. Bis lange nach Mitternacht ließen die Kellner die Teller und Gläser der Gäste nicht leer werden. Zwischendurch konnte, wer wollte, immer wieder nach den heißen Rhythmen der Musiker das Tanzbein schwingen.

Eine ganz moderne Hochzeitsfeier die aber auch nach vielen alten überlieferten Regeln und Zeremonien abgehalten wurde. Hoffentlich werden diese Regeln auch an kommende Generationen weitergereicht, damit auch diese noch in den Genuss einer solch schönen Hochzeitfeier kommen können.

Ich wünsche den beiden mutigen Hochzeitern, die Überlieferte Rituale und Modernes so schön kombinierten, ein langes und glückliches, gemeinsames Leben.