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26.08.2009

Das 1. große internationale Trike Magazin Treffen wurde schon seit Langem fleißig beworben. Ein ultimatives Treffen sollte das werden. Viele Hersteller präsentieren dabei ihre Produkte, viele Händler bieten Zubehör und Technik an – so hieß es.

„Da kommen bestimmt tausende von Leuten zusammen, wenn ich da einen anständigen Platz will, muss ich beizeiten da sein“. Das waren meine Überlegungen im Vorfeld.

Schon am Donnerstag nahm ich deshalb meine Fridolin auf den Bauernhaken und meine bessere Hälfte, die beste Ehefrau von Allen, auf den Beifahrersitz meines Trikes.

Die Anfahrt von knapp 400 KM war bei bestem Wetter wirklich ein reines Vergnügen.

Dann kamen wir am Donnerstag gegen Abend auf dem Platz in Weiswampach an.

Die äußerst kühle Begrüßung mit der nachdrücklichen Aufforderung 30 Euronen Übernachtungsgebühren zu zahlen, hinterließ bei mir einen ersten heftigen Eindruck. Meine Frage, ob denn das wirklich seine Richtigkeit hat, wurde mir ausführlich beantwortet: Da gehört nur die Hälfte davon dem Sportverein Weiswampach, obwohl der ja die Arbeit hat und das ganze Fest ausrichtet. Die andere Hälfte geht an den Verlag, „der fast nix dafür tut“. Außerdem gibt’s dafür noch pro Person drei Kaffeebons!

Da ich das erst nicht glauben wollte, wurde mir eine Mail vom Veranstalter gezeigt, die das aber so bestätigte.

Trotzdem wurde ich, wenn ich die Ausschreibung noch richtig im Kopf habe, um 7,50 € betrogen. Ein solches Gebaren hätte ich einem so “professionellen Veranstalter” nicht zugetraut.

„Für den Batzen Geld wird mir sicherlich auch eine Menge geboten“, dachte ich so für mich und suchte mir auf dem riesigen und weitläufigen Areal einen schattigen Stellplatz für den Schlafcontainer. Aber weit gefehlt. Schatten gab es auf der, von der Hitze ausgedörrten Wiese nicht. Bei näherem Hinschauen stellte ich dann auch fest, dass die besagte Wiese noch wenige Tage vorher von einer Unmenge an Pferden, im Rahmen eines Turniers, als Weide benutzt wurde. Deren runde Hinterlassenschaften waren noch allgegenwärtig.

Nachdem ich ein einigermaßen ebenes Plätzchen gefunden hatte, wollte ich erst mal die Toilette aufsuchen. Weit weg, hinter dem Bierzelt waren zwei Toiletten und ein Waschzelt zu finden. Wirklich zu weit weg für ein dringendes Bedürfnis. Nach dem Besuch des einzigen stillen Örtchens auf dem riesigen Zeltplatz suchte ich vergeblich eine Waschgelegenheit um wenigstens meine Hände zu waschen – vergeblich. Ein einsamer Wasserhahn, an einem Holzpflock befestigt fand sich 50 Meter von der Toilette entfernt. Dieser Platz verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in eine Schlammgrube.

Da war meine erste Euphorie über das „ultimative Triketreffen“ schon verflogen.

Abend stellten wir dann fest, dass ein Rollifahrer, den ein solches dringendes Bedürfnis plagte fast 300 Meter steil bergauf über einen Feldweg das Schulhaus mit behindertengerechten Toiletten ansteuern muss. – Bei mir hätte das nie und nimmer geklappt, ich hätte mir da sicher schon vorher in die Hosen gemacht.

So etwa 30 bis 40 Leute trafen sich am Donnerstagabend im Bierzelt um den ersten Durst einmal zu löschen. Das stellte sich aber als größeres Problem dar. Bier war zwar da, ein Zapfer wurde nach kurzer Suche auch gefunden, aber was kostet denn der edle Gerstesaft? Diese Frage musste erst langwierig geklärt werden bevor der erste kühle Tropfen durch die ausgedörrten Kehlen rinnen durfte. An ein wenig musikalische Unterhaltung war aber wirklich nicht zu denken. So stellte ich also mein Trike ins Bierzelt und testete die Leistungsfähigkeit meiner Musikanlage.

Im Laufe des Freitag füllte sich die Pferdeweide zusehends. „Da gibt’s bestimmt abends ein tolles Programm im Festzelt“ war meine immer noch naive Meinung.

Eine etwas größere Heimstereoanlage stand auch auf der kleinen Bühne bereit. Leider war das Ding aber so kaputt, das es eine Ewigkeit dauerte, bis es überhaupt einmal in die Gänge kam. Dann kam aber eine solche „Katzenmusik“ aus den beiden Lautsprechern, dass mit dem besten Willen keine Stimmung aufkommen wollte. Das änderte sich erst als wieder ein Besucher sein Trike ins Zelt stellte und dem „DJ“ zeigte was Triker gerne bei einer Party für Musik hören. Leider ist aber die Stromkapazität einer solchen dreirädrigen Disco begrenzt. So dümpelte die Stimmung nach dieser Einlage wieder vor sich hin und von den „professionellen Veranstaltern“ war nix zu sehen (sicher waren die beschäftigt ihr Geld zu zählen).

Ein paar Freunde von uns, die gegen zehn Uhr eintrafen, wollten vor dem Zeltaufbau erst ihren Hunger stillen und fragten an der Theke nach dem Speisenangebot: Jägerschnitzel mit Pommes, Hamburger oder Bratwurst lautete die Auskunft. Dann bitte vier mal Jäger mit Pommes. – „Das ist aus“. Dann bitte vier Hamburger. – „die gibt’s nicht mehr“. So blieben für die weit angereisten gerade mal noch die blass und unappetitlich aussehenden Würstchen. So viel zu dem kulinarischen Angebot.

Die Ausfahrt am Samstag war der erste und auch der einzige Programmpunkt der fast uneingeschränktes Lob erhielt. Schade dass ich an dieser Trikeprozession durch das Fürstentum nicht teilnehmen konnte.

Am Nachmittag erkundigte ich mich an der Anmeldung nach der ungefähren Teilnehmerzahl. Diese war zu diesem Zeitpunkt bei 523 (wie war das noch mal? 5 Euro pro Person und Nacht?). Die anwesenden Trikes wurden auf gut 200 geschätzt. Meiner Schätzung nach hatten davon ca. 40 % gelbe Kennzeichen.

Als ich gerade an dieser Rezeption stand und mich mit den drei anwesenden Kassierern unterhielt, fuhr ein neu ankommendes Trike langsam an diesem Kassenzelt vorbei. Der Fahrer hat die Männer wohl nicht als Geldeintreiber erkannt oder die Situation falsch eingeschätzt.

„He, erst hierher zum Zahlen“ war die lautstarke Aufforderung, der sich niemand entziehen konnte.

Ich habe den drei Luxemburgern dann erklärt, dass bei den meisten Triketreffen in Deutschland ein nettes, weibliches Empfangskomitee an der Einfahrt steht. Diese Damen begrüßen jeden Ankömmling recht herzlich und freundlich mit einem Gratisgetränk und bringen ihre Freude zum Ausdruck dass gerade dieses Triketreffen besucht wird.

In der Folge entstand ein kurzes Gespräch, das ich hier aus dem Gedächtnis möglichst wörtlich wiederzugeben versuche:

„Diese – Höflichkeit – beim Empfang hat vielen Triker bitter aufgestoßen. Wahrscheinlich werden viele dieser Besucher beim nächsten Treffen nicht mehr so eine weite Anreise auf sich nehmen.“ So meine Aussage.

Einer der drei Männer vom Empfang: “Für so einen Pöbel werden nächstes Jahr wahrscheinlich auch kein Fest mehr machen.“

Diese Einstellung hat mich dann vollends umgehauen. Sind wir Triker denn wirklich nur der Pöbel der sein Geld zu bringen hat und ja keine Ansprüche stellen darf? Das muss ich wirklich nicht haben.

Die in der Vorankündigung versprochenen Attraktionen auf der Einkaufsmeile beschränkte sich auf die Hersteller „Boom“, „Rewaco“,  „Easy“, Boss Trikes“ und „WK“. An Bekleidung, Schmuck, Zubehör und Technik waren ganze vier Stände aufgebaut. Diese „riesige“ Anzahl kommt aber möglicherweise auch durch die horrenden Platzgebühren zu Stande. So hatten die Anbieter für jede Parzelle 300 Euronen zu berappen. Ein Anbieter mit einem etwas größeren Stand musste hier also mal schon 900 € an den veranstaltenden Verlag hinblättern!!!!

Am Samstagabend fand dann noch eine Versteigerung zugunsten des „Not leidenden Veranstalters“ statt. Dabei wurden unter Anderem Produkte an den Mann gebracht, die man normalerweise nur beim Fachhändler kauft und dort auch gründlich an und ausprobiert. – Oder kaufen Sie Ihre Sicherheitsausrüstung auch auf dem Flohmarkt?

Anschließend erwartete ich dann mit vielen anderen Besuchern den Auftritt einer tollen Liveband. Aber auch damit lagen wir alle falsch. Die altersschwache und total unterdimensionierte Musikanlage vom Vortag kam wieder zum Einsatz – grell, viel zu laut und viel zu viel Höhen eingestellt. Wäre ein klein wenig Bass mit dazu geregelt worden, hätten die reichlich zu klein dimensionierten Lautsprecher nur noch gedröhnt und gescheppert. DJ musste auch wieder ein als Gast anwesender Triker spielen. Ein ordentliches Programm kann man bei diesem Preis ja auch wirklich nicht verlangen – oder?

Samstagabend um Zehn waren auch mal gerade vielleicht Fünfzig oder Sechzig von den über Fünfhundert übernachtenden Besuchern im Festzelt!!!

O-ton eines aus Berlin angereisten Trikers: Und für son Scheiss bin ich 700 Km hierhergefahren.

Als ich den Veranstalterhäupling Uli Rau auf meine Reklamationen ansprach, hatte der nur ein Schulterzucken dafür übrig.

Ich habe für mich daraus die Lehre gezogen, dass ich solche groß angekündigten Treffen, die nur auf Kommerz und Gewinnoptimierung ausgelegt sind in Zukunft nicht mehr besuche.

Da lobe ich mir doch die kleinen privaten TT, von Clubs oder von Einzeltrikern organisiert, die die vom Angebot und von den Kosten überschaubar sind.

So werde ich am kommenden Wochenende das private Treffen vom Triker Andreas in der Nähe von Tholey besuchen.

Einen positiven Punkt gilt es aber auch hier noch anzumerken: Bei der Versteigerung eines Familienzeltes boten sich eine junge Frau und Thomas Stubenvoll, einer der Boom Geschäftsführer ein heißes Duell. Der Kampf ging zu Gunsten von Boom aus. Als „Stubi“ dann aber erfuhr, dass das Zelt der jungen Familie mit ihren Kindern als Urlaubsdomizil dienen sollte, verzichtete er großzügig und überließ der Frau das Zelt kostenlos als Geschenk der Fa. Boom. – So geht es doch auch, meine Damen und Herren vom Dreieck Verlag.