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26.08.2009

Dreirad, mal anders rum.

 

Eigentlich hat der „Street Ray“ ja vier Räder. Da ein Radpaar aber von „Mitte Reifenaufstandsfläche bis Mitte Reifenaufstandsfläche“ ein gewisses Maß, 465 mm, nicht überschreitet, gilt der „Rochen“ vor dem Gesetz als „Dreirädriges Kraftfahrzeug“.

Aber nicht jedes „Dreirädrige Kraftfahrzeug“ ist ein „Trike“.

Im Januar hatte ich Gelegenheit mir diese exotische Fahrzeug etwas näher zu betrachten und mir die Story seines Entstehens berichten zu lassen.

 

Die Geschichte beginnt mit dem Zusammentreffen von Martin Preuss, Inhaber einer etablierten Maschinenbaufirma im badischen Plankstadt und dem Star-Designer Luigi Colani, in dessen Ausstellungshalle in Karlsruhe im September 2004. Die beiden kommen zufällig ins Gespräch, in dessen Verlauf Preuss, der sich schon seit Jahren mit der Entwicklung außergewöhnlicher Fahrzeugmodelle befasst, Colani von seinen Plänen für ein neues Fahrzeug erzählt. Noch ahnen weder Preuss noch Colani, dass dieses Gespräch die Geburtsstunde eines der aufsehenerregendsten Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen werden soll!

So ist Preuss dann auch ziemlich erstaunt, als er am nächsten Tag einen Anruf von Colani erhält, und dieser ihn nach den Dimensionen für sein geplantes Fahrzeug fragt. Preuss schickt Colani eine vereinfachte Skizze der Fahrzeugabmessungen zu, und schon einen Tag später kommt per Fax der Entwurf für den Street-Ray zurück. Preuss ist von dem extravaganten Design begeistert und stimmt spontan dem Kommentar Colanis zu: „So und nicht anders muss das Fahrzeug aussehen!“

Gleichzeitig mit der Entwicklung des Fahrgestells in Plankstadt beginnen im Atelier von Colani in Karlsruhe die Arbeiten am Urmodell für die Karosserie des Street-Ray. Um einen Mockup (ein speziell für diesen Zweck gebautes Rahmenmodell) herum, entsteht aus Gips und Styropor unter Anleitung und Mithilfe des Meisters in mühevoller Handarbeit die Urform für den Street-Ray.
 

Das fertige Modell wird mit Kunstharz überzogen und in Plankstadt auf das von Martin Preuss gemeinsam mit dem Kfz-Meister Ralf Seitz entwickelte Fahrgestell aufgesetzt. Das Urmodell des Street-Ray kann seine ersten Fahrversuche auf der Straße absolvieren!

Bis aber schließlich im April 2006 der erste Prototyp des Street-Ray fertig ist, muss Preuss mit seiner Mannschaft noch viele technische Detailfragen lösen. Eine der größten Schwierigkeiten besteht darin, die Beleuchtungseinrichtung des Street-Ray den deutschen Vorschriften gemäß zu platzieren. Schließlich wird aber auch dieses Problem, genau wie alle weiteren, zufrieden stellend gelöst, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass schon von Beginn an, Experten des TÜV die Entwicklung des Street-Ray begleitet haben, um Probleme bei der deutschen Straßenzulassung zu vermeiden.

So kann die Historie auch auf der Homepage von Martin Preuss und Ralf Seitz nachgelesen werden.

Was sich aber so glatt und einfach anhört, das lief ganz sicher nicht so einfach ab. So hat der geniale und Detailverliebte Designer des Öfteren auch schon mal mit einem Beil eine Karosserieform zerhackt um das Aussehen nicht der Funktion unterordnen zu müssen.

Wurde der Urahn des „Street Ray“, der Messerschmitt Kabinenroller von einem Flugzeugbauer, von Fritz Fend, entwickelt, so hat auch sein moderner Gegenpart, der Rochen deutliche Ähnlichkeit mit der Kanzel eines Düsenjägers mit angedeuteten Tragflügeln.

Flach geduckt, mit Rundungen wohin das Auge auch blickt. Keine Ecke, keine Kante du keine noch so kleine Sicke stört die glatte Optik der Karosserie. Schon im Stand spüre ich förmlich die Dynamik die von diesem Vehikel ausgeht. Von Minute zu Minute wird das Verlangen, dieses vierrädrige Dreirad bei Sonnenschein über enge Odenwaldsträßchen zu scheuchen, größer.

 

Zum Einsteigen wird wie beim Formel Eins Renner das kleine Lederlenkrad abgenommen. Dann hat ein Fahrer recht kommod Platz auf dem sauber ausgeformten Schalensitz. Ein Beifahrer würde den Fahrer eh nur ablenken, also hat man auf einen Platz dafür von vornherein verzichtet.

 

Links ein Bremspedal, rechts ein Gaspedal, mehr ist im Fußraum nicht zu finden. Sämtliche Schalter, einschließlich des Starterknopfes bietet eine Lenkerschaltereinheit vom Motorradbau. Hinter dem Lenkrad gibt’s dann eine Temperaturanzeige, einen elektronischen Multifunktionstacho, einen Knopfschalter für den Warnblinker und als Besonderheit einen kleinen Monitor. Der zeigt das Bild von der im Heck eingelassenen Kamera. Ordinäre Rückspiegel würden die glatte Optik doch zu sehr stören.

Wer nun von so einem futuristischen Fahrzeug auch einen passenden Motorsound erwartet, der wird schon beim Starten bitter enttäuscht. Der 500 ccm. Viertaktmotor entlässt ein mehr als sanftes Furzen aus dem dicken Auspuffendrohr.

Da das fahrfertige Trike? Gerade mal 350 Kg auf die Waage bringt, reichen die 40 PS des einen Zylinders wohl aus um eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Km/h zu erreichen. Auch die Beschleunigung wird wohl ausreichend sein. Ausreichend ja, sicherlich aber nicht der rennwagenmäßigen Optik entsprechend gut.

Dass ich da mit meiner Meinung nicht alleine stehe, zeigen mir die Überlegungen der Erbauer. Diese experimentieren noch mit einem zweizylindrigen und einem Reihenvierzylinder Motor aus dem Motorradbau mit bis zu 170 PS. Dann wird statt der Automatik ein Sechsganggetriebe mit Rückwärtsgang für den entsprechenden Vortrieb sorgen.

 

Wer jetzt gerade mal 23 000 Euronen übrig hat und um jeden Preis auf der Straße noch mehr Aufmerksamkeit erregen will als mit seinem Trike, der kann sie an die Firma H&P Trading in Plankstadt bei Heidelberg überweisen.

Diese bauen ihm dafür ein Gefährt, das an Exklusivität wohl kaum zu überbieten ist. Dafür bürgt dann auch der Name Luigi Colani. Innerhalb weniger Wochen kann er dann schon ohne Helm und gurtgesichert über Deutschlands Straßen cruisen.

Für einen warmen Frühsommersonntag habe ich mich schon mit den beiden Erbauern verabredet. Wir werden dann eine kleine Spritztour unternehmen und die Fahreigenschaften und die Fahrleistungen mit denen eines herkömmlichen Trikes vergleichen.

Meiner Meinung nach fehlen diesem optischen Leckerbissen nur drei Dinge zum idealen Freizeitfahrzeug: Ein Soziussitzplatz, ein kleines Gepäckabteil und ein Motor mit ordentlich Leistung und Sound. Dann könnte ich mir einen Wechsel zu einem vierrädrigen Trike gut vorstellen.

 

Seit ich den „Street Ray“ zum ersten Mal sah, lässt mich ein Gedanke nicht mehr los: Warum eigentlich kann ein herkömmliches Trike nicht auch so eine tolle Optik bieten? Da sollten sich unsere Trikehersteller vielleicht auch mal an den Designer Colani wenden?!