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26.08.2009

Der RF 1 GT von Rewaco

Erst nach mehreren Anläufen hat es geklappt.

Rewaco stellte unserer Redaktion ein RF 1 GT für einen Fahrbericht zur Verfügung.

Auf Grund der großen Nachfrage nach diesem Modell war ein Testfahrzeug von Rewaco vorher nicht zu bekommen.

Oftmals werden von den Herstellerfirmen spezielle „Paradepferde“ für Pressefahrten bereitgestellt.

Etwas überrascht war ich deshalb, dass mein Testfahrzeug von Rewaco ein RF 1 der ersten Generation war. Dieses Fahrzeug war in der vergangenen Saison das Privatfahrzeug eines Vermieters und läuft nun schon diese ganze Saison als Miettrike.

Da muss Rewaco von der Qualität seines Produktes sehr überzeugt sein!

Bei eingehender Inspizierung des Fahrzeuges vor der Übernahme konnte ich am Trike selbst überhaupt keine Abnutzungserscheinungen feststellen. Es präsentierte sich noch absolut neuwertig.   Das kommt sicherlich auch dem Widerverkaufswert eines RF 1 zugute. Die 335 er Hinterreifen hatten bereits 25 000 KM auf den Rillen und zeigten noch etwa 3 mm Profiltiefe. Dass der Vermieter trotzdem bereits Ersatz für diese Schlappen bereitliegen hatte und den Wechsel sofort nach meiner Rückgabe geplant hatte, spricht sehr für die Qualität der Vermietung. Positiv zu vermerken ist auch die  gründliche Einweisung in die Technik des Trikes durch den Vermieter.

 

Erfreulich auf den ersten Blick ist ein geräumiges abschließbares Fach rechts vom Beifahrersitz, das neben den Handschuhen  auch noch Geldbörsen, Fotoapparat und andere Utensilien aufnimmt. 

Auf der anderen Seite des Sitzes öffnet sich die selbe Klappe. Diese beherbergt den etwas fummeligen Verschluss des riesigen, tiefen Kofferraumes und den Tankstutzen.

Der Schalthebel des Fünfganggetriebes ragt direkt vor dem Schritt von Fahrerin oder Fahrer aus der Tankatrappe hervor. Einen Aufprall auf ein Hindernis mit diesem Trike möchte ich mir da lieber nicht vorstellen. Das will ich mir aber auch wirklich nicht mit einem anderen Fahrzeug vorstellen. Außerdem ist meine Familienplanung schon längst abgeschlossen.

Das Zündschloss ist auch gleichzeitig Schalter für die Beleuchtung. Gestartet wird mit einem Knopf an der linken Lenkerarmatur.

Dies sind auf den ersten Blick die wichtigsten Eigenheiten des Rewaco Trikes.

Alle anderen Funktionen sind wie von anderen Marken und Modellen gewohnt.

 

Die Sitzposition auf dem Fahrersitz ist für meine ausladende Figur ein wenig zu kompakt. Dies zeigt gleich, dass bei Rewaco lauter schlanke und agile Menschen arbeiten. Der Schalthebel ist für meine Leibesfülle ein wenig nahe am Bauchnabel. Damit kann ich aber leben, es behindert mich keinesfalls beim Fahren. Allerdings ist die Tankatrappe für meine Beine etwas zu breit geraten. Die optisch sehr schön geratene Längskante im oberen Bereich verursacht bei längerer Fahrt unangenehmen Druck auf die Oberschenkel beim Knieschluss.

Die Instrumentierung ist komplett, sehr übersichtlich und liegt gut im Blickfeld. Auch einen Tageskilometerzähler beherbergt der gut ablesbare Tacho.  

Beim Losfahren fällt die linke Hand erst einmal in Richtung unterhalb der linken Gesäßbacke, sucht aber dort den Schalthebel vergeblich. Dafür findet sie dort die Handbremse – auch nicht schlecht. Handbremse lösen und dann den ersten Gang einlegen. Das Anfahren geht dann sehr unspektakulär vonstatten. Ein kurzes Ventilklackern und dann ein schmatzendes Ansauggeräusch, dann geht's mit Nachdruck vorwärts. Die Gänge können auch bei niedriger Drehzahl zügig durchgeschaltet werden. Der Reihenvierzylinder gibt bei gemütlicher Fahrt ein sehr angenehmes sonores Brummen von sich. Feine Vibrationen, die bei Standgas in den Lenkerenden zu spüren sind, verschwinden bei höheren Drehzahlen sofort. 

 

Mit zunehmender Fahrtzeit werde ich etwas mutiger und verlange dem Motor auch mal etwas mehr Leistung ab. Und siehe da, die linke Hand hat sich auch schon nach wenigen Kilometern an den erst etwas ungewohnten Bewegungsablauf beim Schalten gewöhnt. Zumal dieser Weg für die Schalthand auch deutlich kürzer ist und die Gänge sehr leicht durch die Kulisse flutschen – nur beim Einlegen des dritten Ganges sollte der Hebel genau geführt werden.

Ein erstes Resümee ziehe für mich nach etwa 200 KM Fahrtstrecke. Rewaco kann zu Recht stolz sein auf dieses Modell. Obwohl mein Testtrike bereits mehr als eine halbe Erdumrundung hinter sich hat, klappert, rasselt oder dröhnt nichts. Das spricht nicht nur für eine gute Pflege des Mietfahrzeuges sondern auch für eine tolle Verarbeitungsqualität ab Werk. Hier zeigen sich auch die Vorteile des als „etwas fummelig“ bezeichneten Kofferraumverschlusses. Die Verriegelung hält die beiden Deckel so unter Spannung, dass das ganze Heck gar keine Chance zum Klappern oder Dröhnen hat. Die Rewaco typischen Eigenheiten wie die Schaltung oder Lichtschalter sind schon nach ganz kurzer Eingewöhnung in Fleisch und Blut übergegangen.

Nun kam das worauf ich mich schon am meisten freute. Die Fahrleistungen des Trikes sollten getestet werden.

Für den Sprint von 0 – 100 Km/h gibt das Werk den Wert von 6,7 sec. an. Ich meine, ein geübter Fahrer kann diesen Wert locker deutlich unterbieten. Dazu trägt das breite nutzbare Drehzahlband des durchzugstarken Motors viel mit bei. Bei dieser Beschleunigungsorgie ist nur ein einziger Schaltvorgang nötig. Der zweite Gang reicht bis über 100 Stundenkilometer. Dann sind aber schon  einiges über 6000 UpM erreicht. Auch der Kurzhubgasgriff, der leichtgängig, ohne Nachzufassen von Leerlauf bis Vollgas aus dem Handgelenk zu drehen ist, hilft bei dieser Disziplin mit.

Ab ca. 1000 Touren dreht der Motor ohne Murren und ohne Dröhnen hoch. Einen roten Bereich gibt es auf dem Drehzahlmesser nicht. Erst bei über 6500 UpM greift dann der Begrenzer ein.

Angesichts dieser Fahrleistungen tun die Vermieter gut daran dieses Trike nur an geübte und erfahrene Fahrer zu vermieten. Die Händler achten darauf, dass Probefahrten nur mit einem erfahrenen Instruktor auf dem Soziusplatz durchgeführt werden. Der Käufer des RF 1 sollte nicht nur einen stark gefestigten Charakter haben, sondern auch seine rechte Gashand immer voll unter Kontrolle halten können.

 

Das Austesten der Höchstgeschwindigkeit habe beim Tempo von fast 160 Km/h abgebrochen. Ohne windschützende Frontmaske und ohne Vollvisierhelm tobte mir bei diesem Tempo solch ein Orkan um die Nase, dass meine Sicherheit nicht mehr gewährleistet war (- hätte ich mich halt anständig angezogen!). Da bei dieser Geschwindigkeit in der vorletzten Gangstufe erst knapp 5000 Touren anstanden, hake ich die Werksangabe von 175 Km/h Höchstgeschwindigkeit auch als sehr konservativ gesehen ab.

Mit Hilfe von GPS stellte ich fest, dass der serienmäßige Tacho die Geschwindigkeit etwas optimistisch wiedergibt. Bei Tempo 100 eilte er etwa 6 Km/h voraus.

 

Die Disziplin „Lastzugüberholen“, also der Durchzug im größten Gang von 80 bis 120 Km/h brachte der GT unter den Trikes in etwa 12 sec. hinter sich. Muss es mal schneller gehen, schaltet man in den dritten Gang zurück und lässt den LKW in rund der Hälfte der Zeit hinter sich.

Dass die Integralscheibenbremsanlage diesen Fahrleistungen angemessen ist, brauche ich nicht weiter zu erwähnen. Die Sicherheit kommt bei einem so modernen Fahrzeug nicht zu kurz. Die guten Verzögerungswerte kommen auch Dank des konsequenten Leichtbaus des RF 1 zustande. Durch den leichten aber trotzdem sehr stabilen Rohrrahmen kommt das Leergewicht des Renners auf ganze 590 Kg. Das entspricht einem Leistungsgewicht von etwa 5 Kg / PS.

 

Diese Messungen wurden nicht gerade mit der Eieruhr durchgeführt, aber auch nicht mit einer hochprofessionellen Lichtschranke. Diese Art von Messungen können sich nur teure Hochglanzfachmagazine leisten.

Durch diese, einem Supersportwagen ähnlichen Fahrleistungen, den guten Sitzkomfort, den riesigen Kofferraum  und nicht zuletzt wegen der enormen Anhängelast spricht dieses „Grand Tourisme“ Trike nicht nur den Sportler an, sondern auch - und vor allen Dingen den Tourenfahrer.     

 

Das Fahrwerk ist sehr sportlich straff abgestimmt. Kurze Schläge, wie Gullideckel oder ähnliches gehen ziemlich ungefiltert an das Hinterteil oder an die Handgelenke des Fahrers durch. Vor allem die Vorderradgabel teilt hier kräftige Schläge aus. Sänftenartiges dahingleiten wird von einem „GT“ aber auch nicht verlangt. Dafür kann man mit dem RF 1 Kurvengeschwindigkeiten erreichen, dass man um die Sportsitze, mit den gut ausgeformten Seitenwangen, sehr dankbar ist. Die breiten Schlappen pappen, trotz ihrer niedrigen Profiltiefe an der Straße wie der sprichwörtliche Kaugummi an der Schuhsohle. Der Begriff „Go Kart ähnliches Fahrverhalten“ trifft den Nagel wohl auf den Kopf.

Allerdings lassen sich durch die breiten Schlappen und das straffe Fahrwerk auf trockener Straße auch fast keine Drifts provozieren. Da hebt dann schon vorher das kurveninnere Rad kurz etwas vom Asphalt ab.

 

Beim Rangieren allerdings sind kräftige Oberarme gefordert und der Wendekreis ist relativ groß. Auch dürfte die Lehne des Fahrersitzes für meinen Geschmack ein klein wenig höher sein. Die obere Kante der Lehne befindet sich bei mir genau zwischen den Schulterblättern was bei längeren Fahrten für einen unangenehmen Druck sorgt.

 

Ein erfahrener RF 1 Fahrer hat mir glaubhaft versichert, dass er bei penibel genau geführtem Fahrtenbuch über rund 13 000 KM einen Durchschnittsverbrauch von rund 6,5 Ltr. errechnet hat. Bei meiner Testfahrt kam ich nicht ganz an diesen Wert heran, allerdings habe ich der Maschine auch häufig die Höchstleistung abverlangt. Dabei geht dann das Auspuffgeräusch vom gemütlichen Brummen in ein recht aggressives Fauchen über, was bestens zu dem, dann brachialen Vorwärtsdrang passt.

 

Die Anhängelast von 550 Kg. für gebremste Anhänger, an der ab Werk montierten AHK, sind ein absoluter Spitzenwert für ein Trike.

 

Auch das Putzen eines Testtrikes gehört zu den Aufgaben des Redakteurs. Diese Disziplin ging beim RF 1 sehr schnell vonstatten. Durch die glatte und wenig zerklüftete Oberfläche kam ich überall sehr gut mit der Auto Waschbürste und dem Schwamm bei. Die hochglanzpolierten Alufelgen sind nicht nur ein optisches Highlight. Sie lassen sich auch sehr einfach und leicht sauberhalten. 

 

Die Sozia wünschte sich an diesem Trike nur etwas längere Armlehnen, die sie auch noch mit den Händen umfassen kann um noch etwas mehr Halt zu haben. Umso mehr freute sie sich aber über die Fußrasten die wirklich in alle Richtungen verstellbar sind und sicher für jedes „Soziusfahrgestell“ passen.

Mir als Fahrer bleibt nur noch ein Wunsch: Eine Automatik oder Halbautomatik mit Tiptronic um den Fahrspaß noch mehr genießen zu können.

Irgendwann werde ich mir eine größere Tour mit dem RF 1 gönnen. Darauf freue ich mich schon heute.

 

Vom Hersteller war noch zu erfahren:

 

Ab September gibt es optional einen neuen Fahrersitz mit höhere Rückenlehne und noch mehr Seitenhalt.

Eine Automatik ist in Vorbereitung und wird ab Frühjahr 2007 mit im Programm sein.

Ab dem 22.09.2006 gibt es eine Sonderserie, den RF1 GTR

Infos ab dem 22.09.06 unter www.rewaco.de