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26.08.2009

Rede / Ungarn 2005

 

Das erste August Wochenende ist bei mir schon traditionell für das internationale Triketreffen in Rede / Ungarn reserviert.

Von meinem Feriendomizil in Südungarn aus ist die Anreise ja kurz dass ich dieses Treffen schon als "Heimspiel" betrachten kann. Die etwa 150 KM Anreise sind so kurz dass ich mich am Freitag wegen dem noch immer sintflutartigen Regen entschloss erst am Samstag über den Plattensee gen Norden zu triken. Am Samstag wurde ich für diese Entscheidung mit einem herrlichem Sonnenaufgang belohnt. Da ich auf keinen Fall den kirchlichen Segen für Fahrer und Fahrzeug verpassen wollte, machte ich mich in aller Herrgottsfrühe auf den Weg. Eine Fahrt in den Sonnenaufgang auf den zum Teil kilometerweit schnurgeraden ungarischen Straßen ist für mich mit nichts zu vergleichen.  Songs wie "Country Roads", "On the Road again" oder "Raw Hide" schallten die ganzen drei Stunden meiner Anreise in voller Lautstärke aus den Boxen.

Auf dem alten Schlossgelände von Rede angekommen wurde ich herzlich begrüßt von Kriss und Dodi Guruz, den Veranstaltern des "6. Nemzetközi Trike & Bike Talalkozo".

Schon bei der Einfahrt in den wunderschön gelegenen Platz fiel mir auf: Alles wie jedes Jahr! Jeder der Teilnehmer hat seinen festen Platz, den er immer wieder ansteuert. Ob das nun die "Braide Rädle" aus Baden Württemberg oder die Gruppe aus Österreich um "Wild Bill" ist, ob es die ungarische Fraktion ist oder meine Ulmer Freunde. Nur die Slowenen fehlten dieses Jahr. Deren Platz wurde von einer großen Abordnung der "Addams Triker" eingenommen. Ansonsten konnte man sich wirklich darauf verlassen dass man seine alten Freunde an der gleichen Stelle wie im vergangenen Jahr wieder fand.

Das ist der eine Vorteil dieses Treffens. Ein Anderer, für mich ganz wichtiger Punkt ist, dass auf diesem Event Leute zu finden sind, die aus Liebe zum Trike und zum triken zum Teil Tausend und mehr Kilometer Anfahrt auf sich nehmen. Da treffen sich die wirklichen "Hardcore Triker". Da ist kein selbsternannter "schwäbischer Obertriker" und kein "Schönwettertriker" anzutreffen. Letztgenannter hätte auch recht schlechte Karten gehabt. Wurden die ersten Teilnehmer am Dienstag und Mittwoch noch mit Sonne und Temperaturen von 35 Grad verwöhnt, kam es ab Mittwochabend ganz dick. Der bereits oben genannte sintflutartige Regen setzte Festzelt und Zufahrt so unter Wasser dass Kriss, die Chefin höchstpersönlich zum Wassereimer griff und etwa 300 Eimer Wasser aus dem überschwemmten Bierzelt schöpfte. Daraufhin wurden Entwässerungsgräben um das Zelt angelegt und so die ganze Geschichte etwas entschärft. Da aber die Zufahrtstraßen nach Rede zum Teil mit dicken Schlammlawinen aus den Bergen überschwemmt waren, sahen die Trikes aus wie die Maschinen bei einem Motocrossrennen. Das war aber bestimmt das kleinere Übel.

Der aus dem niedersächsischen Gifhorn angereiste "Wolle" plante vor dem Treffen noch 3 Tage Badeurlaub am Balaton zu verbringen. Nach mehr als 1000 KM trockener Anreise strömten ihm auf der Balatonfähre seltsame Gerüche aus dem hinteren Bereich seines Gespanns um die Nase. Da sich seine Beifahrerin aber penibel pflegt und er die bergigen Sträßchen in gemächlichem Tempo angegangen hatte schloss er Körpergeruch und heiße Bremsscheiben als Grund aus. Als er auf der Ursachensuche seinen Qek öffnete traf ihn fast der Schlag. Durch einen technischen Defekt in der Elektrik des Bumscontainers war während der Fahrt im Wagen ein Schwelbrand entstanden der sich nur dank Sauerstoffmangels nicht zum offenen Feuer ausweitete. Nichtsdestotrotz war nicht nur der Wagen sondern der komplette Inhalt nicht mehr zu gebrauchen. Garderobe und Verpflegung für den gesamten Urlaub waren zum Teufel. Für die Meisten von uns wäre damit das Thema "Triketreffen Ungarn" wohl erledigt gewesen. Nicht aber so für "Wolle". Da er zu Hause noch einen weiteren Qek stehen hatte, den er eigentlich verkaufen wollte, machte er auf dem Absatz kehrt. Wieder daheim in Niedersachsen wurde der andere Hänger an den Haken genommen. Wie das auf die Schnelle mit der Zulassung vonstatten ging hab ich ganz vergessen den Wolle zu fragen - wahrscheinlich hätte ich auf diese Frage aber eh keine Antwort bekommen. Zwei Tage später rollte er auf jeden Fall mit seinem Gespann auf den Platz in Rede. Über seine mehr als 3000 KM lange Anfahrt wollte er erst gar nicht reden. "Das ist doch selbstverständlich". - So stelle ich mir einen "Triker" vor. Da könnte sich so mancher "Obertriker" eine kleine Scheibe abschneiden.

Das Treffen selbst verlief wieder in bekannter Manier, unspektakulär aber ganz einfach schön.

Gefallen hat es mit Sicherheit wieder all den Stammgästen, die auch mal widrige Wetterbedingungen in Kauf nehmen. Weniger gefallen hat es anscheinend der Gruppe der „Addams Triker“. Aber auch hier gilt der altbekannte Spruch: „Allen Leuten Recht getan ….. eine Sache die keiner kann“. Mit Sicherheit ist es aber so, dass die auf dem Platz anwesenden Ungarn, ob Gäste oder Helfer, freundlich zu jedem sind. Das liegt nun mal in der Natur dieser Menschen. Die Straßen in Ungarn sind sicherlich nicht die Besten, dafür liegt die sozialistische Staatsform noch nicht lange genug zurück. Wenn aber bei einer Ausfahrt ständig der Beinschutzbügel eines Trikes aufsetzt, so würde ich mir mal Gedanken um den technischen Zustand dieses Fahrzeuges machen. An meinem Trike hat kein Bügel aufgesetzt und keine Federung durchgeschlagen.

Wenn jemand seinen Urlaub in einem fremden Land verbringen will, so sollte er sich vorher ein klein Wenig über dieses Land informieren. Eine der ersten Infos die man in einem Reiseführer bekommt, ist die, dass ein deutsches Gulasch nicht sehr viel mit einer in Ungarn gereichten Gulyas Leves zu tun hat. Dieses ist eine klare, recht dünne Suppe mit Fleisch, Paprika, Zwiebel und noch mehr Kartoffeleinlage. Wenn diese dann aber in einer großen Schale mit einigen dicken Scheiben frischen Brotes gereicht wird und dafür nicht mal 2 Euronen verlangt wird, dann ist dies bestimmt kein Grund für eine Reklamation !! ??

Originalmitschnitte von Rockkonzerten aus den 70 ern auf Videoleinwand und aus großen Lautsprechern zu genießen, ist dagegen eine Sache, die wahrscheinlich nicht allen Leuten gefällt – vor allem wenn sie zu der Zeit, als diese entstanden sind noch gar nicht geboren waren. Viele andere gestandene Triker haben an einer solchen Rarität bestimmt sehr viel Spaß.

Für eine sachliche, berechtigte Kritik ist aber auch in Ungarn – oder gerade dort – sicherlich jeder Veranstalter dankbar.

Die einzige nennenswerte Abweichung zum eingespielten und allseits akzeptierten Programm war eine zeitliche Verschiebung von Segnung und Ausfahrt. Laci, der wohlbekannte bikende Pfarrer aus Mezöfalfa, der auch schon ein deutsches Trikerpaar getraut hat, kam mit fast zweistündiger Verspätung auf den Platz. Sein Bischoff hat ihn in eine andere Kirchengemeinde versetzt und die Übergabe seiner Schäfchen an seinen Nachfolger musste just an diesem Samstag erfolgen. - Hoffentlich war das keine Strafversetzung !!?

Trotz der ungewohnten Urzeit waren aber wieder fast alle Triker und Biker mit ihren Fahrzeugen auf der Wiese versammelt um von Laci in Demut ihren Segen entgegenzunehmen.

Bevor es dann auf die Ausfahrt ging, wurden alle Anwesenden von Andi und Misi, einem ungarischen Bikerpärchen noch für das folgende Wochenende auf deren Hochzeit eingeladen. Ich werde versuchen auch an dieser Feier teilzunehmen und berichte dann gesondert über dieses einmalige Erlebnis.

Bei der anschließenden Ausfahrt kam ich mir fast vor wie bei einem Faschingsumzug in Deutschland. Die Straßen wurden gesäumt von Menschen die jubelten und sich freuten. Diese zeigten eine solche ehrliche und offene Freude über uns und unsere Fahrzeuge dass ich beim bloßen daran Denken noch heute eine Gänsehaut bekomme. Diese Menschen zeigen eine wirkliche Freude über das Glück und den Wohlstand den ein Anderer hat. Da sind kein Neid und keine Missgunst zu spüren. Ich weiß nun wieder warum ich dieses Land und seine Menschen so liebe dass ich gerne für immer hier wohnen würde.

Leider musste ich am Abend die Heimreise wieder antreten und konnte die sicher wieder gelungene Party am Abend nicht miterleben.

Im nächsten Jahr bin ich aber garantiert wieder dabei. Kriss und Dodi, darauf könnt Ihr Euch verlassen.