Last update:

26.08.2009

1. internationales Bike - und Triketreffen in Kaposvar / Ungarn 2006

Der Abfahrtstag zum großen Bike - und Triketreffen im ungarischen Kaposvar rückte näher. Von Boom war mir für diese Tour schon seit Monaten ein Testfahrzeug zugesagt. Deshalb hatte ich mein eigenes Trike auch in keinster Weise auf diesen Zweieinhalbtausend Kilometer Sprint vorbereitet.  Am Tag vor der geplanten Abfahrt kam dann der Anruf von Boom. „Ätsch, wir haben kein Fahrzeug für Dich. Der vorgesehene Prototyp wird zum Termin nicht fertig“!

- Verlass Dich auf jemanden ........

Warum sollte ich dann eigentlich nicht schon etwas früher fahren? Also hab ich bereits am Dienstagnachmittag meinen Fridolin auf den Bauernhaken meines eigenen Trikes genommen und bin bei Heilbronn auf die Autobahn in Richtung Nürnberg gefahren. Meine erste größte Tour mit einem Wohnwagen hinter meinem 15 Jahre alten Trike. Den Heimstolz Wohnwagen, Bj. 1975, Weferlinger LC 9 / 200 hatten wir vor der Abfahrt noch gewogen. 265 kg. fertig beladen. 280 kg hatte der Heimstolz an zulässigem Gesamtgewicht und 300 kg habe ich ungebremste Anhängelast an meinem Trike zugelassen. Also alles im grünen Bereich. Auf der Bahn hab ich mich dann erst mal penibel an die Begrenzung auf 80 km/h gehalten. Bereits auf den ersten Kilometern fiel mir aber auf, dass das doch schon sehr langsam ist. “Versuchen wirs halt mal mit 90”. Da konnte ich dann schon die ersten LKWs überholen. So richtig schnell ist das auf solch einer langen Tour aber auch nicht. Dann tastete ich mich so langsam an die 100er Marke heran. Das war dann schon besser. Der Weferlinger benahm sich kreuzbrav hinter dem Trike. Nur einmal, als ich mit gut 100 einen Lkw überholte und gleichzeitig von einem “Sprinter” auf der dritten Spur überholt wurde, da zuckte er doch ein wenig und meldete sich zu Wort: ”Ich bin auch noch da, vergiss mich bitte nicht”. 

So legten wir die ersten gut 400 Km in zügigem Tempo zurück. Da zwischenzeitlich auch die Nacht hereinbrach, beschlossen wir in der Westernstadt “Pullman City” bei Passau zu übernachten. “Es ist ja noch Vorsaison”, dachte ich, und noch nicht so viel los. “Mal sehen wie weit ich mit meinem Gespann in die Stadt reinfahren kann”. Kein Mensch wollte uns aufhalten, alle freuten sich ein solches Gespann zu sehen. So parkte ich also das Trike mit dem Fridolin am Haken direkt vor dem “Black Bison Saloon”.

Am nächsten Morgen ging es dann bei 12 Grad und leichtem Nieselregen wieder auf die Bahn. Tempo 100 wie gehabt. Mein 1835er Boxer im Heck schnurrte wie am ersten Tag. Hätte ich nicht vielleicht doch Ölwechsel machen sollen? oder neue Kerzen? oder zumindest neue Unterbrecherkontakte?

Am frühen Nachmittag passierten wir bei jetzt richtig heftigem Regen die ungarische Grenze. Was hab ich den Ungarn nur getan, dass ich bei jedem Treffen in ihrem Land so nass werden muss? Schon im letzten Jahr in Rede ist das ganze Treffen ja fast im Regen abgesoffen. So froren wir also vor uns hin und nahmen die letzten 200 Kilometer unter die breiten Hinterräder. Wer die ungarischen Landstraßen schon mal befahren hat, der kennt auch die tiefen Spurrinnen. Bei trockener Strecke recht unangenehm. Bei Regen steht darin aber bis zu 10 cm. Wasser. Das ist dann schon fast lebensgefährlich. Mit einem Hinterrad so einen kleinen See erwischt, kann es einem den Lenker schon mal heftig in Richtung Straßengraben oder gar in Richtung Gegenverkehr verreißen. Auch der Motor fing dann an zu spucken und zu husten. Kein Wunder, bekam er doch durch seine beiden Doppelvergaser bald mehr Regenwasser als Benzin in seine Zylinder geblasen.

Spätabend, durchgefroren und klatschnass, sind wir in unserem Häuschen ganz in der Nähe des Festplatzes angekommen. Dort haben wir uns dann erst mal wieder trockengelegt. Bis auf die Unterwäsche waren wir durchweicht. Nachdem wir die Nacht in einem richtigen Bett verbracht hatte, schien beim ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen die Sonne wieder mit voller Kraft - wären wir halt einen Tag später gefahren!!


Die abendliche musikalische Unterhaltung war mehr als ein “Open Air Konzert” anzusehen. Auf der riesigen Freiluftbühne versuchten sich die Akteure vor allem in der Lautstärke zu überbieten. Das soll bestimmt nicht heißen, dass die Musiker nur laut gespielt hätten. Sicher war die Musik auch gut, aber mir persönlich eben einfach zu laut. Allerdings habe ich dann am späteren  Abend mit Begeisterung einem Musiker gelauscht, der mit derselben ohrenbetäubenden Lautstärke spielte. – Auch „zu laut“ ist halt ein relativer Begriff.

Dieser Musiker, ein oberschenkelamputierte Motorradfahrer, Deak Bill, traf meinen Musikgeschmack halt ziemlich genau. Seit mehr als 30 Jahren ist dieser wilde Kerl einer der bekanntesten Musiker und ein Superstar im Magyarenland. Wie der da so auf einem Bein, mit dem anderen Beinstumpf an seine Achselkrücke gelehnt, seine Bühnenshow abzog, das war schon einmalig. Eine Stimme wie Joe Cocker und dazu noch ein richtiger Kerl aus der Szene. Spitze!!!

Die sommerlichen Temperaturen luden dann auch zum Sitzen bleiben ein. Das Hocken bis weit nach Mitternacht vor dem Zelt ließ sich dann also auf die schöne, laue Nacht zurückführen.

Ein Schelm wer da eine Verbindung zu den billigen Bierpreisen konstruiert.

 

Am Samstagmorgen weckte uns dann ein heftiger Regen aus tiefstem Schlummer. Da hab ich dann für die Bilanzen des Veranstalters richtig Schwarz gesehen.

Gegen 10 Uhr ließ dann aber der Regen nach und um 11 Uhr hatten wir wieder richtigen Sommer. Bei der pünktlich um 13 Uhr startenden Ausfahrt hab ich mir dann den ersten Sonnenbrand des Sommers geholt.

Nach der einstündigen Ausfahrt hatte sich das Gelände so gefüllt, dass der Präsi des veranstaltenden Clubs mit strahlender Miene über den Platz lief. Dort hatte er auch viel zu tun die ganze Prominenz des Trikebaus zu begrüßen: Joseph Auth und sein Sohn, Geschäftsführer von “Wolf Trikes”, Erich Salinger, Verkaufsleiter von “Easy Trikes”, Sandor Bodis und Gattin, der Inhaber der Firma Bodis (alles was an Edelstahl am Trike verbaut wird, einschließlich der Auspuffanlagen), Wolfgang Merkle, der Chef von “Boom” und Michael Bollinger, sein Einkaufsleiter waren auf dem Gelände zu finden. Kriss Guruz, die Veranstalterin des Treffens in Rede repräsentierte die Firma WK mit einem nagelneuen Trike.

War der Freitagabend schon ein Erlebnis, so ist der Samstag nur als “gigantisch” zu bezeichnen.

Ein Rahmenprogramm wie ich dies noch auf keinem Treffen dieser Szene erlebt habe. Die “Streetfightershow” mit Mokus, dem “Eichhörnchen” ist noch ganz besonders zu erwähnen. Wheelis und Stoppis kann ja zwischenzeitlich bald jeder der ein wenig mit seinem Mopped vertraut ist. Aber Überschläge mit dem Bike nach vorne oder balancieren auf einer 2 Meter hohen Leiter auf dem alleine fahrenden Bike, das sind Sachen die nicht wieder so schnell zu sehen sind.

 

Bevor die letzte Band als Höhepunkt des Treffens auf der Zeltbühne auftrat, gab es auf der Freiluftbühne noch eine Erotik Show mit zwei (k)nackigen Schönen, die einen mit auf die Bühne gezerrten Biker mit ihren Reizen aufs heftigste erregten und seine Lederhose einem Härtetest unterzogen.

So wurde es am Samstagabend also noch später als am Vorabend. Der Sonntagmorgen begrüßte uns dann wieder mit herrlichem Sonnenschein. Als wir uns endlich mit dickem Kopf aus den Decken geschält hatten, hatten die Veranstalter den riesigen Festplatz schon fast wieder picco bello sauber und aufgeräumt.

Da in Deutschland für Montag und Dienstag Kälte und Schnee bis in die Niederungen angesagt wurde – wir hatte Ende Mai – verschoben wir die Rückfahrt auf Donnerstag.

Donnerstagmorgen war blauer Himmel und Sonnenschein angesagt – in Ungarn. Kaum hatten wir aber die österreichische Grenze passiert, traf uns der sommerlich angehauchte Winter mit voller Wucht.

8 Grad und immer wieder mal Regen. So quälten wir uns wieder in Richtung Heimat. Mit dem ständigen, zum teil sehr heftigen Gegenwind hatte auch das Trike zu kämpfen. Begnügte es sich auf der Hinfahrt mit rund 10 Liter Super, so wollte es auf der Heimfahrt einen Sturmzuschlag von mehr als einem Liter.

Immer mal wieder fragte ich unterwegs ob mir denn dieses Trikefahren wirklich so viel Spaß macht? In einem geschlossenen Auto mit eingeschalteter Heizung wäre doch auch ganz angenehm zu fahren?

Zuhause angekommen stellte ich dann am Trike eine locker gewordene Fahnenstange fest – das war alles an Schäden die auf den letzten über 2500 KM aufgetreten sind. In den vielen Jahren, die ich mein Dreirad nun fahre hat es mich noch nie im Stich gelassen – außer einmal pro Jahr mit einem gerissenen Gaszug. Elektronikprobleme kennt die Technik dieses Fahrzeuges zum Glück nicht. - Gell Herr Merkle.

Als ich das Gefährt in seine Garage stellte, strich ihm dankbar über seinen Kotflügel und versprach ihm fest, ihm vor der nächsten größeren Tour wenigstens einen ganzen Tag für Pflege und Wartung zu schenken.