Last update:

26.08.2009

Sturmwarnung für Deutschland

Der "Taifun" von "Easy Trike" fegt durch die Lande.

 

Auf verschiedenen Messen und auf ihrer Internetpräsenz bot die Firma "Easy Trike" ihr neuestes Modell, den "Taifun" Interessierten für ausgedehnte Probefahrten an. Auch der Redaktion der "Triker Szene" wurde ein solches Modell für einen Fahrbericht versprochen.

Wie allen Anderen, so ging es auch uns. Wir mussten sehr viel Geduld aufbringen bis uns Erich Salinger, der Vertriebsleiter von Easy einen Termin für die Probefahrt nennen konnte.

An einem Nachmittag im Juli stand ich nun vor dem Werkstor in Günzburg um das neue Trike abzuholen. Begrüßt von Armin Schweigart, dem Geschäftsführer der Firma wurde mir dann von Erich Salinger das silbergraue Sport - oder auch Spaßmobil vorgestellt:

Eine glatte und schnörkellose Karosse, eine etwas nostalgisch anmutende Frontmaske die aber ein übersichtliches und vollständiges Cockpit enthält. Lediglich eine Zeituhr könnte man hier noch vermissen. Sportlich aussehende Felgen im fünf Speichen Design mit breiten 285 / 40 Niederquerschnittsreifen hinten und einem 200 / 50 er Schlappen vorne. Auf den breiten EU Lampenauslegern sitzen 4 wunderschöne, verchromte, kleine Indian Scheinwerfer. Die mittlere Lampe in der Frontmaske dient als Nebelscheinwerfer. Ansonsten sieht das Fahrzeug halt aus wie ein Trike, nur dass die komplette Technik im Heck unter der Karosserie versteckt ist. Die gewaltige Power lässt sich so also nur erahnen.

Alles was nicht auf den ersten Blick zu ersehen ist wird mir von den "Easy Machern" erklärt:

Wassergekühlter 1,6 Ltr. 4 Zylinder Einspritzmotor von Peugeot mit 110 PS, vor der Hinterachse platziert. 5 Gang Getriebe vom selben Hersteller. Ein selbst entwickeltes Rennsportfahrwerk mit Einzelradaufhängung. Stabilisator. Verstellbare Koni Federdämpfer. Die Betonung liegt hier auf  - verstellbar - , darauf werde ich noch einmal zu sprechen kommen. Ein 33 ltr. fassender Kraftstofftank im idealen, tiefen Schwerpunktbereich. 

Nach der Einweisung verstaute ich meine Utensilien in dem riesigen, mit Teppich ausgekleideten, 110 Ltr. fassenden Kofferraum. Die Regenkombi zog ich mir in weißer Voraussicht gleich an. Bevor ich die Autobahn ereicht hatte begann es auch schon wie aus Kübeln zu schütten. Fast 200 Km Heimweg bei strömendem Regen sind nun wirklich nicht das reine Vergnügen. Aber auch die ungemütlichste Fahrt hat irgendwann ein Ende.

Am nächsten Morgen schaute schon wieder ein wenig die Sonne zwischen den Wolken hervor. Nun war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich das Trike genauer kennen lernen wollte. Nach kurzem Drehen des Zündschlüssels springt der Motor sofort an. Ein dumpfes Grollen dringt aus den beiden serienmäßigen "Bodis Endrohren". Das Grollen geht beim Gaswegnehmen in ein schönes Brabbeln über. Vibrationen sind über den gesamten Drehzahlbereich weder im Lenker noch im Sitz oder in den Fußrasten zu spüren. Der Weg zwischen Standgas und Vollgas macht etwa eine Drittel Umdrehung des Gasgriffes aus. Das Losfahren verläuft im Normalfall vollkommen unspektakulär. Auf den ersten Kilometern kam mir allerdings der Schalthebel vor wie ein Kochlöffel in Muttis Schokopudding. Da muss man wirklich erst üben um schnelle Gangwechsel durchführen zu können. Beim Versuch den fünften Gang einzulegen landete ich mehrfach im dritten Gang. Die ersten Kilometer nutzte ich den Drehweg des Gasgriffes zu etwa 3 Vierteln aus und kam damit schon recht flott vorwärts. Als ich meinte ich hätte nun das Trike soweit recht gut im Griff drehte ich im ersten Gang mal den Hahn ganz auf. - Nun weiß ich auch warum das Teil "Taifun" heißt. Mein Lexikon sagt ein Taifun sei ein tropischer, oft verheerender Wirbelsturm. Das trifft insofern auf das Trike nicht ganz zu, da sich ein Wirbelsturm immer um sich selber dreht. Das Trike bewegte sich aber nur in eine Richtung, nämlich in die von mir vorgegebene - aber das mit wirbelsturmartiger Gewalt !!!.

Meine linke Hand kam kaum nach mit den Gangwechsel. Auf dem Drehzahlmesser beginnt der rote Bereich bei 6500 UpM. Wahrscheinlich kommt noch nicht einmal die Nadel dieses Instruments schnell genug mit dem Hochschnellen nach. Der Drehzahlbegrenzer setzte nämlich schon vehement ein als die besagte Nadel gerade die 5500er Marke überschritt.Diese Beschleunigungsorgie geht aber vollkommen ohne hektische Ruckelein vonstatten. Der sprichwörtliche Tritt ins Kreuz kommt nicht schlagartig sondern unglaublich gleichmäßig aber mit deutlichem Nachdruck.

Als ich in dieser Disziplin noch ein wenig mehr Übung hatte, versuchte ich eine möglichst schnelle Beschleunigung. Mit meinem billigen "Aldi Chronometer" und dem serienmäßigen Tacho maß ich etwa 5 Sekunden für die Beschleunigung von 0 bis 100 Km/h. Dies ist allerdings kein amtlicher Wert zumal ich davon überzeugt bin dass besagte Zeit von einem versierten Piloten der alleine auf dem Sportgerät sitzt noch unterboten werden kann. Bei meiner "Messung" war das Trike mit zwei "gut ausgewachsenen Mitteleuropäern" besetzt. Die 100er Marke auf dem Tacho wird bereits mit dem zweiten Gang ereicht. Dann mahnt aber sofort der Begrenzer mit Nachdruck zum Schalten.

Als sich beim Fototermin einmal der "TS" Fotograf Jürgen auf dem Beifahrersitz zusammenfaltete, hatte ich beim Schalten plötzlich eine Stiefelspitze statt des Schalthebels in der linken Hand. Von nun an musste er bei jedem Schaltvorgang das linke Bein heben wie ein Hund beim Pinkeln. Aber mal ehrlich, wer hat denn schon einen 2 Meter Mann mit Schuhgröße 47 als Sozius auf seinem Trike sitzen? Meine reguläre Sozia, die beste Ehefrau von allen, war mit ihrem Sitzkomfort mehr als zufrieden. Der Beifahrersitz ist relativ niedrig angeordnet, so dass sich meine Sozia hinter meinem breiten Kreuz im Windschatten sehr wohl fühlt. Armlehnen und die hohe Rückenlehne mit Kopfstütze tun hier ein Übriges. Die Sicht nach vorne wird nur einer kleinen Sozia hinter einem großen Fahrer von dessen Helm eingeschränkt.

Am Samstag stand das Triketreffen bei Remy Martin im Elsass auf dem Programm. Frühmorgens auf der Hinfahrt war die dreispurige A 5 noch recht wenig befahren. Die ideale Gelegenheit um die Höchstgeschwindigkeit des Dreirads zu testen. Im 4. wie auch im 5 Gang wird die magische 200er Marke geknackt. Mit dem 5. mit recht langem Anlauf, im 4. mit recht hoher Drehzahl. Keinerlei Einspruch gegen meinen Geschwindigkeitsrausch kam von der Hinterbank, die die beste Ehefrau von Allen belegte. Vermutlich machte ihr auch diese Geschwindigkeit noch viel Spaß. Bei diesem Tempo war ich sehr dankbar um die Frontmaske , die ich vorher als antiquiert abgelehnt hatte. Sie dient nicht nur als Ablage für die Handschuhe sondern leitet auch einen Großteil des Winddrucks über die Besatzung hinweg. Das Fahrwerk meistert auch diese Disziplin mit Bravour. Noch nicht einmal durch eine deutliche Längsrille auf der Fahrbahn, die ich unter das Vorderrad nahm, lies sich die Fuhre aus der Ruhe bringen.

Im französischen Schirrhoffen war das Trike ständig von interessierten Trikern umlagert. Jeder wollte mehr Informationen über das moderne Dreirad haben. Die Form und die Technik des neuen Trikes polarisierte. Einige lehnten das Fahrzeug rundweg ab. Andere wiederum waren einfach nur begeistert. Der Großteil der ablehnenden Fraktion kam aus dem Lager der "alten Triker". Viele der Begeisterten waren junge und aufgeschlossene Menschen die auch nicht unbedingt bereits Trikefahrer waren. Bald ein Dutzend mal habe ich die kurvenreiche Strecke zum Nachbarort mit wechselnden Beifahrerern unter die Räder genommen. Das sportllich hart abgestimmte Rennsportfahrwerk konnte dabei seine Qualitäten unter Beweis stellen. Auch mit 250 kg. lebender Zuladung auf Fahrer und Beifahrersitz (gell Stressler) ereichte das Fuhrwerk höhere seitliche G Kräfte als jedes andere mir bekannte Trike. Jeder meiner Beifahrer war begeistert von der unglaublichen Beschleunigung und den bisher nicht gekannten Kurvengeschwindigkeiten. Die Reifen pappen auf der Straße wie der sprichwörtliche Kaugummi an der Schuhsohle. Die für mich persönlich wichtigste Qualität an dem Trike sind aber die Bremsen mit serienmäßigem Bremskraftverstärker, die die Fuhre auch wieder auf kürzester Strecke zum Stehen bringen. Hier würde mich wirklich mal ein Vergleichstest der Bremsen zwischen den einzelnen Trikemodellen interessieren.

Durch das Mittelmotorkonzept sind mit dem Trike so hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich, dass das Abstützen auf dem Beinschutzbügel fast nicht mehr ausreicht und der Wunsch nach einem Sitz mit mehr Seitenhalt aufkommt. Die Lehne des serienmäßigen Sitzes ist sogar für einen nicht allzugroßen Fahrer zu kurz geraten. Wäre die Lehne aber ausreichend hoch, hätte der Sozius große Probleme seinen Sitzplatz zu erklimmen. - Warum gibt es eigentlich keine klappbaren Lehnen wie dies im PKW Bau vorgemacht wird? Möglicherweise wäre dann unter der Klapplehne sogar noch ein Handschuhfach zu integrieren.

Der Begriff "aktive Fahrmaschine" lässt sich mit diesem Trike trefflich demonstrieren. Ein seitliches Ausbrechen des Trikes ist im normalen Fahrbetrieb fast nicht möglich. Ein Wegdriften muss man schon provozieren. Ausprobiert hab ich dies auf einer Kreisbahn auf einem leeren Supermarktparkplatz. Erst bei einer wahnwitzigen Geschwindigkeit bricht das Trike gleichmäßig über alle drei Räder seitlich aus. Ein Übersteuern muss man mit voller Beschleunigung bei starkem Lenkeinschlag provozieren. Ich glaube aber dass dies nur im zweiten Gang möglich ist und sich auch leicht beherschen lässt. Wenn dann kurz der Gashahn geschlossen wird ist die Fuhre sofort wieder stabil und fährt in die vorher eingeschlagene Richtung weiter. 

Bei der von "Cognac" angeführten Ausfahrt durch das malerische Elsass konnte ich eine weitere Stärke des "Taifun" genießen. Fast die komplette Strecke der gemütlichen Fahrt durch herrliche Fachwerkdörfer und hügelige Landschaften konnte ich im 5. Gang zurücklegen. Ein zurückschalten war wirklich nur bei einem verkehrsbedingten Stop nötig. Ansonsten lässt sich der große Gang ab etwa 1000 UpM nutzen. So lies ich es auch bei der Rückfahrt spätabends ruhig angehen. Tempo 100 auf Bundes- und Landstraßen sind ein richtiges Genießertempo. Dies sollte sich später dann auch beim Spritverbrauch zeigen.

Am Sonntag wurde dann noch ein privates Treffen besucht. Bei den "Buffalos", dem Countryclub der in Brühl am Rhein ein eigenes Westerndorf besitzt, war eine Ausfahrt mit Trikes und Bikes angesetzt.. Auch hier war das Interesse von Trikern und Cowboys an dem Gefährt riesengroß. Einige Biker waren von den Fahrleistungen des "Taifun" so angetan, dass ein ein Umsteigen auf drei Räder ernsthaft angedacht wird.

Die Ausfahrt, fast 100 Km durch die Rheinebene, machten auch hier wieder einen Riesenspass. Souveräne Leistung im Überfluss unter dem Hintern zu haben ist einfach ein beruhigendes Gefühl. Aber auch die Spare Rips die es nach der Ausfahrt vom Holzkohlegrill gab waren nicht zu verachten.

Auch die Pflege und Wäsche seines Dreirades ist für jeden Triker ein wichtiger Punkt. Mit Gartenschlauch und Autowaschbürste machte ich mich deshalb auch an die Wäsche des durch mehrere Regenfahrten total verdreckten "Taifun". Dank der schnörkellosen Karosserie und der leicht zu reinigenden Alufelgen konnte ich schon nach wenigen Minuten den Gartenschlauch wieder beiseite hängen und das glänzende Stück trockenledern. So könnte ich mich auf jedem Triketreffen wieder sehen lassen!

Auch Servicearbeiten wie Wasser - oder Ölstandskontrolle sind ohne Verenkungen möglich. Die Karosserie wird, unterstützt durch zwei Gasdruckdämpfer, von Vorne nach Hinten hochgeklappt und hält dann bombenfest ohne seitlich hin und herzuschwanken wie ein Lämmerschwanz.  Beim Zurückbringen des Testfahrzeuges stand mir wieder eine größe Autobahnetappe bevor. Unter anderem auch das Teilstück der A 8 zwischen Pforzheim und Stuttgart. Eine längere Strecke dieses Teilstücks kommt mir vor wie eine "Vorkriegsautobahn". Immer nach etwa 20 Meter Piste kommt da eine gewaltige Querfuge. Eine Tortur schon mit einer bequemen Reiselimousine. Eine Höchststrafe für den Fahrer eines Trikes. So fühlte ich mich an diesem Morgen nicht wie ein Trikerider der der aufgehenden Sonne entgegenrollt, sondern viel eher wie ein Rodeoreiter kurz vor dem Abwurf. Die knüppelharte Vorderradgabel gab jede Fuge ungefiltert an meine Handgelenke und mein Kreuz weiter. Vor Stuttgart wurde dann aber der Straßenbelag wieder besser und meine Laune besserte sich auch wieder deutlich. - Aber nur bis zu dem Zeitpunkt als ich das "Easy" Werk ereicht hatte und das Trike wieder an seine Besitzer zurückgeben musste.

Ich hatte mich so an das Fahrzeug gewöhnt, dass ich es am liebsten zu meinem alten TWA in meine Garage stellen würde. Zweimal habe ich schon meine Nachttischschublade durchsucht ob nicht irgendwo die 24 900,- Euronen herumliegen die der "Easy Händler" für dieses Trike von seinen Kunden fordert. Ich hab sie leider nicht gefunden. Also wird es wohl vorerst ein Traum bleiben mit einem eigenen "Taifun" in den Sonnenuntergang zu fahren.

Tagebuch:

Übernahme des Trikes bei KM Stand: 4242

1. Volltanken bei KM Stand:  4246 19,36 Ltr.

2. Volltanken bei KM Stand:  4548 20,55 Ltr.

3. Volltanken bei KM Stand:    4908  26,14 Ltr.

4. Volltanken bei KM Stand:  5427 28,96 Ltr.

Abgabe des Trikes bei KM Stand:  5475

Besondere Vorkommnisse:  Keine

Die Probefahrt dauerte also 7 Tage, an denen 1233 KM zurückgelegt wurden. Auf eine Strecke von 1181 KM flossen 75,65 Super durch die Einspritzdüsen. Dabei genehmigte sich der Motor bei sehr flotter Fahrweise bis zu 7,3 Ltr./ 100 Km. Bei etwas zurückhaltender Fahrweise begnügte er sich aber auch mit 5,6 Ltr./ 100 KM. Das Tanken entpuppt sich als reines Geduldspiel. Der Tank schwappt ständig über und kann nur ganz langsam aufgefüllt werden. Schon alleine deshalb empfiehlt es sich die Gashand ein wenig zu zügeln um den 33 Ltr. fassenden Tank nicht allzu oft nachfüllen zu müssen.

Als ich Armin Schweigart auf meine "Bull riding Einlage" auf der Vorkriegsautobahn ansprach konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Da man bei "Easy" mein aktuelles Lebendgewicht wohl recht realistisch eingeschätzt hatte, wurde bereits im Vorfeld die Federung der Gabel auf die härteste Vorspannung eingestellt. Mit nur wenigen Handgriffen hätte ich die Gabel deutlich weicher stellen und mir diese Tortour damit ersparen können.