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26.08.2009

"25 Jahre Fecht Trikes in Deutschland - eine Legende lebt"

 

Im Jahre 1979 war es als der gelernte Werkzeugmacher und diplomierte Werkstoffingenieur Dietrich Fecht ein Dreirad mit Käferantrieb aus Amerika in heimische Rheinland mitbrachte.

Dietrich Fecht war in Amerika um dort eine Pilotenlizenz zu erwerben als er in Kalifornien erstmals mit dieser Fahrzeuggattung in Berührung kam und von dem heute noch berüchtigten Trikevirus infiziert wurde.

Bereits in den Jahren vorher beschäftigte er sich mit der Technik von Motorrädern. Er entwickelte Drosselsätze für leistungsstarke Zweiräder. Dadurch wurden die damals immens hohen Versicherungsprämien für diese Fahrzeuge erst wieder erschwinglich. Hierdurch erwarb er sich die erste öffentliche Anerkennung durch Publikationen in den einschlägigen Zeitschriften.

Er baute und vertrieb Teile und Zubehör, bis hin zum kompletten Rahmen, hauptsächlich aber seine „Antituning Kits“, für versch. Modelle wie z. B. Honda, BMW oder Moto Guzzi.

 Nach der Einfuhr seines Trikes nach Deutschland machte er sich daran das Fahrzeug so umzubauen dass er eine Möglichkeit sah in Deutschland eine TÜV – Abnahme zu bekommen. Dazu mussten nicht nur Licht – und Bremsentechnische Änderungen vorgenommen werden. Wer schon einmal bei unserem TÜV war um eine außergewöhnliche Eintragung vornehmen zu lassen, der kann sich annähernd vorstellen was für ein Aufwand hier 1979 nötig war um für diese in Deutschland vollkommen unbekannte Fahrzeuggattung eine Zulassung zu bekommen. So dauerte es auch bis zum 25. Juni 1980 bis der TÜV Sachverständige seine Unterschrift unter das erste Mustergutachten für ein MF 1 setzte.

Ohne den Mut und die Trikebegeisterung von Dipl. Ing. Hütter beim TÜV in Essen und Hr. Dr. Weilken beim Wirtschaftsministerium in Düsseldorf wäre die Ausnahmegenehmigung noch schwerer zu bekommen gewesen.

Die Ausnahmegenehmigung wurde beschränkt auf Fahrzeuge mit max. 34 PS da leistungsstärkere Fahrzeuge angeblich „unfahrbar waren“. Die Fahrzeuge wurden dann als PKW offen zugelassen mit der Einschränkung dass Fahrer und Beifahrer einen Helm zu tragen hatten. Am Fußrastenträger musste ein 40 kg. schweres Bleigewicht befestigt werden. Der erste Gang musste gesperrt werden. – Nicht damit man keine Wheelies machen konnte sondern weil das Fahrgeräusch im zweiten Gang bei einer bestimmten Geschwindigkeit gemessen werden musste. Im Zweiten Gang konnten aber die Phonhöchstwerte nicht unterschritten werden. Kurzerhand wurde dann der erste Gang gesperrt und schon war der normalerweise dritte Gang der Zweite und die zulässigen Höchstwerte wurden mit der niedrigeren Drehzahl dann nicht mehr überschritten. Die Trikeproduktion wurde dann dort angesiedelt wo der TÜV diesem neuen Gefährt am wenigsten Steine in den Weg legte.

So konnte dann im Jahre 1980 mit der Serienproduktion begonnen werden. Bereits im ersten Jahr wurden über mehrere Vertragshändler ca. 50 Fertigfahrzeuge verkauft. In einer zweiten Produktionsschiene wurden Bausätze hergestellt. In den guten Jahren der Firma Fecht verließen jährlich etwa 250 Fahrzeuge des Modells MF 1 die Fertigungshallen. – Von denen ein Gutteil heute noch auf den Straßen unterwegs ist.

Fieberhaft wurde in diesen Jahren auch an Neu – und Weiterentwicklungen geplant und gebaut. So wurde unter Anderem auch ein Trike mit einem leistungsstarken 1600er Alfa Triebwerk entwickelt. Dies war aber nicht gerade ein wirtschaftlicher Erfolg und verschwand wieder in der Versenkung.

Auch schwierige Zeiten hatte Hr. Fecht mit seiner Firma zu überstehen. So wurde einmal ein fertiges Fahrzeug einer Bank als Sicherheit übereignet. Dieses Fahrzeug wurde dann von der Bank ohne Zustimmung von Dietrich Fecht an Werner Toth verkauft. Mit Hilfe dieses einzelnen Modells wurde dann die Firma „TWA“ gegründet, die auch noch kräftig an dem Trikeboom, nach einem erfolgreichen Kinofilm mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk, partizipierte. Der Filme „Zwei Nasen tanken Super“ war Mitte der Achtziger Jahre ein Kassenschlager in unseren Kinos und verhalf den, damals noch an einer Hand abzuzählenden Trikeherstellern in Deutschland zu volleren Auftragsbüchern. Der Film wurde 1984 uraufgeführt und die zwei „Supernasen“ lockten mit ihren Fecht MF 1 Trikes fast 2,4 Millionen Besucher in die Kinos.

Seit Mitte der Neunziger Jahre ist von Dietrich Fecht und seiner Firma „Fecht Trikes“ in Deutschland fast nichts mehr zu sehen oder zu hören. Es gibt die Firma aber weiterhin und weiterhin sind auch alle Produkte, bis hin zum kompletten Trike zu beziehen. Allerdings ist der Sitz der Firma nun in Pula / Kroatien und der einzige Vertriebsweg führt über das Internet. Unter der folgenden Adresse sind nicht nur Ersatzteile und Zubehör für das MF 1 zu finden sondern auch sehr viele Informationen für Triker die selbst Hand an ihr Fahrzeug legen wollen. Auch innovative Neuentwicklungen und Verbesserungen sind dort zu bestaunen.

http://worldzone.net/international/fechttrikes/index.htm

Dietrich Fecht, ein bekennender USA Fan, hat seine persönlichen Probleme mit manchen typisch deutschen Eigenheiten. Auch mit manchen neueren deutschen Gesetzen zum Verbraucher und Umweltschutz will er sich nicht unbedingt anfreunden. Er ist ein Denker und manchmal auch ein Querdenker der sich nicht unbedingt einordnen lassen will. Er schließt deshalb auch eine dauerhafte Rückkehr mit geschäftlichen Aktivitäten nach Deutschland unter den derzeitigen politischen Entwicklungen nahezu aus.

Trotzdem hat er sich mit mir zu einem Gespräch über die Anfangszeiten des Trikebaus in Deutschland getroffen. Er möchte den Kontakt zu den Trikern in Deutschland nicht abreißen lassen. Auch ist er jederzeit bereit sein umfangreiches Wissen den Trikern zur Verfügung zu stellen:

„Sehr gerne wäre ich bereit für geringe Kosten einem Club oder trikebegeisterten Gruppen beim Bau eines eigenen Trikes oder einer Kleinserie behilflich zu sein. Hier müssten dann eben das Wissen und die handwerklichen Fähigkeiten der Einzelnen gebündelt werden um mit geringem finanziellen Aufwand zu einem selbstgefertigten Fahrzeug zu kommen. Dazu sollten dann nur wenige Serienteile nötig sein.“ Interessierte können ihm über die oben genannte Internetseite eine Mail senden.

Zum Abschluss unseres Gespräches bekam ich noch ein paar sehr aussagekräftige Antworten auf meine Fragen.

Red. TS: Wie beurteilen Sie den aktuellen Trend weg vom herkömmlichen Käferantrieb?

Dietrich Fecht: Der Boxermotor wird auch in Zukunft noch in Trikes verbaut werden. Das Triken ist in der Regel ein ganzheitliches Hobby, das nicht nur das Fahren sondern auch das Schrauben an den Fahrzeugen umfasst. Am alten Käferantrieb kann auch der technisch weniger versierte Triker noch immer selbst Hand anlegen. Die modernen Motoren sind schon in der Anschaffung wesentlich teuerer als ein herkömmlicher Boxer. Durch die nötigen Anpassungen der Elektronik und des Motormanagements an die speziellen Gegebenheiten des Trikes kommen noch mal erhebliche Entwicklungskosten hinzu. Zum zweiten kann der Laie daran fast nichts mehr selber machen und zum dritten haben auch die entsprechenden Autowerkstätten damit Ihre Probleme da die elektronische Motorsteuerung vor der Adaption in das Trike gravierend verändert werden musste und der normalen Automechaniker durch diese Änderungen mit seinen Gerätschaften auch nicht mehr weiterkommt.

Red. TS: Nun hat aber der Gesetzgeber Abgasvorschriften erlassen die der Boxermotor mit seiner inzwischen rund siebzig Jahre alten Technik nicht mehr einhalten kann.

Dietrich Fecht: Wenn die deutsche Regierung meint sie kann die Welt retten indem sie den paar wenigen Trikes den Hahn zudreht so möchte ich dazu nichts mehr sagen. 

Red. TS: Wie stehen Sie zu der Aufrüstung der Fahrzeuge mit noch mehr glänzendem Chrom oder poliertem Edelstahl und noch mehr unnötigem Zubehör?

Dietrich Fecht: Triker sind Individualisten. Das ist schon daran zu sehen dass sie Ihre Freizeit anders verbringen wollen als die meisten anderen Menschen und sich das ungewöhnliche und exklusive Produkt Trike zulegen. Dieser Individualismus zeigt sich auch darin dass jeder sein Fahrzeug so verändert haben will wie er sich das vorstellt. Fast kein Trike rollt so auf den Strassen wie es mal das Werk verlassen hat. Meine eigenen Trikes haben mehr sportlich, als choppermäßig zu sein und werden auch so bewegt. Womit dann auch wieder die Brücke zu den sportlich orientierten Bikern geschlagen wäre. Die Triker sah ich schon immer als eine Gruppierung an, die sich aus den Bikern entwickelt hat mit den fast gleichen Interessen.

Gut ist was gefällt und Aufgabe der Industrie ist es das zu produzieren was der Kunde verlangt.

Das möchte ich so als Schlussatz unkommentiert stehen lassen und bedanke mich bei dem Pionier des deutschen Trikebaus Dietrich Fecht für das Gespräch.

Text und Bilder Peter Stief

Originalunterlagen aus dem Fundus von Dietrich Fecht.