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26.08.2009

Nordbaden – Ungarn – Mutzschen – Jena – ADAC.

 

Die erste größere Tour in der noch jungen Saison 2007 sollte mich zu unserem Domizil in Ungarn führen. Ganz in dessen Nähe, wollte ich in einer dortigen Fachwerkstatt einen kleinen aber schon lange geplanten Umbau an meinem Dreirad durchführen lassen.

So hab ich mich frühmorgens in Nordbaden auf mein treues altes TWA Trike geschwungen. Der Anhänger Fridolin, er war als Schlafstatt auf dem Treffen der Sachsentriker in Mutzschen geplant, hing am Bauernhaken. Diesen kleinen Umweg über Sachsen, von nur rund 550 Km wollte ich auf dem Heimweg in Kauf nehmen. – Schließlich hab ich dort auch das „Unwettertreffen 2005 „ überlebt.

Der alte „Boxer“ im Heck schnurrte als würde er sich freuen mal wieder eine anständige Strecke fahren zu dürfen. Es ging auf eine sehr weite und langweilige Autobahnetappe von rund 800 KM. Allerdings lief es recht zügig und ich konnte das Gespann mit einem guten 100er Schnitt laufen lassen. Am späten Nachmittag hatte ich dann die ungarische Grenze erreicht und freute mich auf die letzte Etappe von etwa 200 KM Landstraße.

160 KM weit lief auch alles wie am Schnürchen. Dann ein kurzes, trockenes Knacken aus Richtung Vorderrad. Da die Lenkung auch sofort schwammig wurde war mir auch alles klar. – Plattfuß am Vorderrad, war meine Diagnose schon bei Ausrollen. Die erste Sichtkontrolle brachte dann aber Erschreckendes zutage. Gleich vier Speichen hatten sich verabschiedet und zumindest eine davon hatte den Schlauch durchbohrt. Sch …. – und das bei einbrechender Dunkelheit, etwa 30 Min. Fußmarsch von der nächsten menschlichen Ansiedlung entfernt. Da hätte ich auch gleich am Südpol stranden können.

 

Da der Reifen eh schon kaputt war, rollte ich also mit gaaanz langsamem Tempo noch etwa 4 Km bis zur nächsten Tankstelle. Zwischenzeitlich war es 20 Uhr geworden und sicherlich konnte mir auch an der einsam gelegenen Tankstelle keiner mehr helfen. Aber weit gefehlt. In Ungarn gehen die Uhren noch etwas anders und Hilfsbereitschaft wird dort mehr als groß geschrieben.

Der Tankwart griff zum Telefon und keine halbe Stunde später stand ein „Gummi Service“ vor meinem Trike. Der freundliche Helfer baute ohne groß zu reden mein Vorderrad aus und bedeutete mir, bei meinem Havaristen zu warten. Kurz vor 10 kam er dann wieder an. Die gebrochenen Speichen waren entfernt. Ein neuer Schlauch eingezogen, der Reifen wieder prall. Für alle Fälle hatte er mir den durchlöcherten Schlauch wieder geflickt mitgebracht. Das Rad wurde wieder eingebaut und ich konnte mit etwas gemäßigtem Tempo die letzten 40 KM zurücklegen. Der Helfer vom „Gummi Service“ verlangte für seine Dienste von mir 4000 Forint (etwa 16 Euronen). Der telefonierende Tankwart war fast beleidigt als ich ihm Geld anbot.

 

Dass es die letzten Kilometer regnete wie aus Kübeln, brauche ich ja eigentlich nicht zu erwähnen – wenn man schon kein Glück hat, kommt meistens auch noch Pech dazu. Altes Murphys`sches Gesetz.

Am nächsten Tag sollte nun mein Trike in die Werkstatt – und ich wollte dann auch wieder zurück zu unserem Häuschen. Da hab ich mal meine neue Schleppstange an unserem alten Ferenc, dem Trabbi ausprobiert. Der arme Kerl ging ganz schön in die Knie auf der Hinterhand. Aber es ging.

 

Während am Trike der Umbau durchgeführt wurde, machte ich mich auf die Suche nach passenden Speichen. Das war aber absolut aussichtslos in Ungarn. Die Speichen mussten in Deutschland bestellt und per Express nach Ungarn geschickt werden.

Das war am Freitag. Am Donnerstag der Folgewoche wollte ich mich auf den langen Weg nach Mutzschen machen. Tatsächlich trafen am Mittwochnachmittag die so dringend erwarteten Speichen ein. Eine Spezialwerkstatt für den Einbau hatte ich schon vorher ausfindig gemacht. Am Donnerstagvormittag brachte ich also Trike und Speichen zur Werkstatt. Dort dann der nächste Schreck. Die Speichen passen nicht. Die Hälse sind zu lang. Der Monteur wäre aber kein Ungar gewesen wenn er sich nicht zu helfen gewusst hätte. Die Köpfe wurden abgesägt. Ein Gewinde auf die Speichenhälse gedreht. So konnte nun mit einer normalen Mutter die Halslänge variiert und angepasst werden.

Nun konnte doch am späten Nachmittag die Tour nach Mutzschen (1031 KM) angetreten werden.

Unterwegs hatte ich eine Übernachtung im Fridolin eingeplant.

4 Stunden lief es dann wieder wie am Schnürchen. Ich machte mir die ersten Gedanken, wo ich den meinen Fridolin abstellen will um mein müdes Haupt zur Ruhe zu betten.

Dann kam es aber mal wieder ganz anders:

Die Autobahnsüdumfahrung von Wien ist eine ewig lange Steigung mit drei Fahrspuren und ohne Standstreifen. Etwa auf halber Höhe hörte ich einen Knall hinter mir. Der Motor zog nicht mehr und es kam ein Kreischen, Knallen und Rumpeln von da hinten, dass ich mit dem Schlimmsten rechnete. Aus Tempo 80 brachte ich das Gespann gerade noch ein paar Meter weit, um den Grünstreifen neben der Fahrspur wenigstens noch teilweise zu erreichen. Beim Absteigen stellte ich mir dann vor, wie der Motor wohl aussehen muss: Heraushängende Pleuel, auf der Fahrbahn schleifende Kolben und ein großer Ölsee auf Fahrbahn und Wiese.

Ich schaute ganz vorsichtig um das Trike herum um das Elend zu sehen. – Der Motor war an seinem Platz und so wenig verölt wie immer. Kein heraushängende Eingeweide und nix. Was war passiert? Beim Fridolin fand ich dann die Antwort. Eine von meinen teuren, hochglanzpolierten Alufelgen hatte den Dienst quittiert und war einfach auseinander gebrochen.

 

Da stand ich nun. Abends um 8 auf der österreichischen Autobahn und hätte ein kleines Vermögen gegeben für ein Radkreuz. Natürlich stand ich genau in der Mitte zwischen zwei Rufsäulen. Und an mir vorbei rauschten die LKWs, dass sie beinahe meinen armen Fridolin streiften. Aber auch von diesem Argument ließ sich der ÖAMTC nicht zu mehr Tempo antreiben. So eine Stunde, auf Armeslänge vom brausenden Verkehr entfernt ist ewig lang. Aber auch sie ging rum, Das Radkreuz in Form eine gelben Engels kam an und das Rad wurde gewechselt.

 

Nun wollte ich ein wenig Zeit wieder gut machen und noch zwei, drei Stunden in die inzwischen angebrochene Nacht hineinfahren. Durch die Pannen ein wenig sensibilisiert, lauschte ich auf jedes Geräusch.

Irgendwann hatte mein Lauschen tatsächlich Erfolg. Ganz leise hörte ich von irgendwoher ein leises Klack, Klack, Klack …. Bei jeder Radumdrehung. Dann war’s aber wieder weg. Wahrscheinlich war ich doch übersensibel.

Dann war das Klacken wieder da. Aber wo kam es bloß her. Ich lauschte angestrengt und immer wenn ich meinte das Geräusch lokalisiert zu haben, war es wieder weg.

Dann hatte ich wirklich die Schnauze voll und lenkte mein Gespann auf den großen Parkplatz eines Autohofes. In erreichbarer Nähe der Toiletten parkte ich dann und legte mich schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann ausgeruht und frisch gewaschen in der Rasthofdusche, wieder auf die Bahn.

Angestrengt lauschte ich dann wieder nach dem klacken. Aber weit gefehlt, es war nix zu hören außer dem sonoren Brummen des zuverlässigen Boxermotors.

Hatte ich mich in der Nacht wohl doch getäuscht.

……. Und dann hatte ich das schier unglaublichste Erlebnis meiner Tour:

Schon bei der Hinfahrt hatte ich mir für die Öschis Autobahn ein Pickerl gekauft. Mangels Windschutzscheibe, wo das Bäbberle sonst angebracht wird, hatte die Vignette, wie vom ADAC empfohlen, zusammen mit dem Kaufbeleg in die Hosentasche gesteckt.

Wie es nun der Teufel (oder die österreichische Asfinag) will, war kurz vor der Grenze noch eine Mautkontrolle aufgebaut. Dabei muss dann jeder im Schritttempo an einem auf der Fahrbahn stehenden Kontrolleur vorbeifahren. Eine fehlende Vignette wird dort sofort mit 125 Euronen Strafe geahndet. Auf meiner Fahrspur stand nun eine recht junge, nette und gut aussehende Polizistin. Da mir bekanntermaßen alle Österreicher erst einmal unsympathisch sind, holte ich mein in der Hosentasche steckendes Pickerl nicht gleich heraus. Ich wollte das Mädchen erst mal ein wenig ärgern. Diese musste nun denken ich wäre ein Mautpreller. Sie strahlte mich aber nur an und meinte „ ….. ach, fahrns halt weiter“ Über diese Reaktion war ich so perplex, dass ich gar nicht mehr dazu kam ihr zu erklären, dass ich doch meine Maut bezahlt hatte. Vielleicht gibt’s unter den österreichischen Bütteln ja doch vernünftige Menschen?

 

Klack  ….. Klack …. Da war es wieder. – dann war es wieder weg.

Ich beschloss jetzt das Geräusch einfach zu ignorieren und auf dem Treffenplatz in Mutzschen jemanden zu fragen der sich mit so was auskennt.

Kurz nach meiner Ankunft war ein Fachmann auch gleich gefunden: „Guck mal, deine Verschraubungen von der Antriebswelle sind lose. Lass die mal anziehen, dann hast Du auch wieder Ruhe“.

 

Tatsächlich, bei den 76 Kilometern, der als Rallye organisierten Ausfahrt, war das Klacken vollkommen verschwunden. Auch das Wetter war heuer nicht ganz so schlecht wie vor zwei Jahren. Das heißt aber nicht, dass wir bei der Orientierungsfahrt nicht doch ordentlich nass wurden. Der heftige Wind trocknete aber wieder alles recht schnell. So hatte auch der kräftige Sturm noch sein Gutes.

 

 

Schon alleine der leckere Fisch von “Gräten Knut” ist die Fahrt nach Sachsen wert.

Das übliche “Mutzschener Wetter” ist aber wirklich nur im Suff zu ertragen.

Son´ne Tangas werden halt für zierliche Mädchenpopos und nicht für ausladende Wahn`sche Hintern zusammengestrickt.

 

Der Samstagabend war mal wieder das Highlight des Wochenendes. Eines muss man den Sachsen lassen. Party machen, das können sie. Wobei die DJs am Samstag aber innerhalb 10 Minuten eine bessere Stimmung in der Halle hatten als die Live Band am Freitagabend. Vor mir tanzte ständig einer der Dresdner Panther auf dem Tisch. Irgendwie erinnerte der mich immer an den Klingeltonfrosch?!!

Wie in jedem Jahr, so auch in diesem Jahr gingen die Pokale fast allesamt und geschlossen an die Free Triker Oberfranken. Ich glaub die haben die auch schon vorher bezahlt? - ...the same procedure as every year

Für meinen platten Reifen vom Weferlinger bekam ich von meinem Freund Günter, dem „Road Runner“ einen ganz großzügigen Ersatz spendiert.

 

Am Sonntag, nach gründlichem Ausschlafen, gegen Mittag, gings dann mit dem reparierten Trike wieder auf den Highway in Richtung Heimat.

 

Klack … Klack …. Da wars doch schon wieder. Hatte wohl doch nix mit den losen Schrauben von der Antriebswelle zu tun. Aber was ist es dann? Ich beschloss meinen Heimweg über Aubstadt auszudehnen und dort den Fachmann Dieter Geus von WK um Rat zu fragen.

So weit sollte ich aber nicht mehr kommen. Nach etwa 140 KM, kurz vor Jena wurde das Geräusch immer lauter und beim Fahren waren nun auch heftige Vibrationen zu spüren. Das hörte sich nun an, als wollte das linke Hinterrad jeden Moment abfallen. Ich erwischte dann gerade noch die Ausfahrt von Jena. Die Autofahrer drehten sich schon nach mir um weil ich einen dermaßen Radau machte.

 

Die erste Diagnose des ADAC Mannes war dann „ein kaputtes Radlager“. Ich hatte da zwar eine andere Meinung, als technischer Analphabet hielt ich mich aber zurück.

Die letzten 350 KM Heimweg verbrachte ich dann in der stickigen Kabine eines LKWs, das Trike stand auf der Ladefläche und der arme Fridolin war hinter dem mächtigen LKW fast nicht zu sehen.

Ich darf mich nun also auch zu den „Edeltrikern“ zählen, die ihren eigenen Shuttelservice für die Rücktour haben.

 

Am Montag früh holte ich das „waidwunde“ Trike aus der Garage um ganz vorsichtig zur Werkstatt zu rollen. Und was darf ich erleben? Das Trike fährt wie am ersten Tag. Kein Klacken, kein Dröhnen, kein Vibrieren. Nix, was den Fahrgenuss schmälern könnte.

Da es aber recht heftig regnete hab ich mit der Trikewerkstatt einen Termin für den ersten trockenen Vormittag vereinbart.

Über das Ergebnis werde ich dann berichten.                

Inzwischen ist das Trike wieder repariert.

Manfred der “Trikeguru” hat am Fahrzeug die linke Antriebswelle und vorsichtshalber auch das Radlager gewechselt. Die Antriebswelle hatte einen Schaden, der sich aber nur bei einer bestimmten Längsverstellung der Welle zeigte. Möglicherweise hätte ich mit der angeschlagenen Welle noch viele Kilometer fahren können - möglicherweise aber auch nicht!

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